Lehrlinge starten ab heute durch

Ingolstadt / Beilngries (intv) Für rund 15.000 Lehrlinge in Oberbayern hat heute der Ernst des Lebens begonnen. Der 1. September war für sie gleichzeitig der erste Arbeitstag in einem IHK-zugehörigen Betrieb. Und die können sich glücklich schätzen, wenn sie einen Azubi für sich gewinnen konnten. Denn gut 9000 Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt, vor allem im Einzelhandel und in der Gastronomie. Wir haben in die Küche des Beilngrieser Hotels „Die Gams“ geschaut, um herauszufinden, woran das liegt. Dort haben die Kochlehrlinge gleich zu Beginn alle Hände voll zu tun. Der Betrieb in Beilngries ist heuer in der glücklichen Lage, gleich drei Auszubildende in der Küche zu haben. Einer davon ist Roman Rupp. Der 15-Jährige hat heute seinen ersten Arbeitstag. „Ich bin aufgeregt und nervös, wie das so ist im Arbeitsleben, es ist ganz anders als Schule.“

Dort hat man nämlich weder scharfe Messer noch Fleischwolf zur Hand. Auch Arno Helbig aus Thalmässing hat sich für „Die Gams“ entschieden. Insgesamt hat er hat zehn Bewerbungen geschrieben: „Ich habe eigentlich nur Zusagen bekommen, weil es denke ich sehr schwer ist, noch jemanden zu finden, der den Job machen mag. Dann konnte ich sozusagen selbst entscheiden, wo ich hingehe, als Koch kriegt man fast überall einen Platz.“

Man sollte Teamgeist, Kreativität und Stehvermögen mitbringen. Philipp Pfab kann Spätentschlossenen die Ausbildung nur empfehlen: „Probiert es einfach mal aus, macht ein Praktikum, es lohnt sich. Koch ist ein super Job.“

Andere Hotels suchen noch händeringend Nachwuchs, doch der bleibt zunehmend aus. „Die meisten regen sich halt über die Arbeitszeiten auf. Aber man kann sich mit allem arrangieren. Bei uns haben wir Teildienst, da hat man nachmittags von 14:30 bis 17:00 Freizeit und dann geht’s abends weiter bis 21 Uhr“, erklärt Souschef Martin Sturm.

Laut IHK sind bei uns in der Region noch 1.000 Stellen unbesetzt, davon 300 in der Gastronomie- und Hoteleriebranche und im Einzelhandel. „Der Demographische Wandel macht sich zusehends bemerkbar. Jetzt kommen die geburtenschwachen Jahrgänge. Auf der anderen Seite ist der Trend zu weiterführenden Schulen, zur Akademisierung ungebrochen“, betont Fritz Peters, Vorsitzender des IHK-Gremiums Ingolstadt-Pfaffenhofen.

Die fehlenden Azubis von heute sind der Fachkräftemangel von morgen. Potenzial sieht die IHK deshalb auch in jungen Flüchtlingen. „Die IHK hat sich bei der Regierung stark gemacht mit dem Modell „drei plus zwei“, das heißt drei Jahre Ausbildung und zwei Jahre Bleiberecht nach der Ausbildung. Eine der Voraussetzungen, die geschaffen werden müssen, aber wir sind da dran, alle Initiativen und Kräfte zu bündeln.“

So sollen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, nicht abgeschoben werden dürfen. Ende des Schuljahrs besuchten in Oberbayern rund 2.000 jugendliche Asylsuchende vorbereitende Berufsschulklassen.