Lebensgefährtin mit dem Auto überfahren: Plädoyers

Ingolstadt (intv) Was geht in einem Menschen vor, der seine ehemalige Lebensgefährtin absichtlich mit dem Auto überfährt und dabei schwer verletzt? Mit dieser Frage mussten sich die Vorsitzenden des Landgerichts Ingolstadt in den vergangenen Tagen auseinander setzen. Im Oktober 2013 hatte ein damals 41-jähriger Rumäne in Ingolstadt seine Exfreundin mit dem Auto erfasst und an ein Gittertor gedrückt. Die Frau leidet bis heute an ihren schweren Verletzungen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben heute die Plädoyers gehalten. Ein psychiatrischer Gutachter hat nach intensiven Untersuchungen beim angeklagten Marius R. einen IQ von 78 festgestellt. Des Weiteren gab er an, dass er Hinweise auf eine kognitive Verlangsamung erkennen konnte. Trotz dieser Einschränkungen hätte der Angeklagte am 6. Oktober vergangenen Jahres allerdings genug Zeit gehabt, sich gegen die Tat zu entscheiden, so der Gutachter. Marius R. beteuerte heute unter Tränen, dass er seine ehemalige Lebensgefährtin niemals hätte umbringen wollen. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Sie geht davon aus, dass hinter der Tat eine gezielte Tötungsabsicht steckt. Allerdings habe der 42-jährige Rumäne von seiner Exfreundin abgelassen, als er gesehen hat, dass sie noch am Leben war. Ein Punkt, den sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung anerkannten – beide plädierten deshalb nicht mehr auf versuchten Mord sondern gefährliche Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft forderte sechs Jahre Haft, Verteidigerin Andrea Kremer drei Jahre und sechs Monate. Ein Urteil wird morgen erwartet.