Leben mit einem fremden Herzen

Schrobenhausen (intv) Die Zahl der Organspender in Deutschland ist auf ein historisches Tief gefallen. Und das, obwohl hierzulande mehr als 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan warten. Einer von ihnen war Jan Kraus.  Um zu überleben, brauchte er ein neues Herz. Er wartete monatelang und dann, am 25. Oktober 2010, war es so weit. Er feiert diesen Tag heute noch wie seinen zweiten Geburtstag.

Die Leidensgeschichte von Jan Kraus beginnt im Jahr 2003. Bei einer Untersuchung stellt ein Arzt fest, dass er einen schweren Hinderwandinfarkt hatte. Nur eine OP am offenen Herzen kann sein Leben retten. Der Eingriff glückt. Kraus kämpft sich Schritt für Schritt zurück ins Leben. Bis zum Jahr 2010. Auf einmal hat er wieder Probleme mit seinem Herzen, er bekommt schlecht Luft und fühlt sich schlapp. Er stellt sich wieder in der Herz-Chirurgie vor. Und dann erhält er die Schockdiagnose: Um zu überleben braucht der Mann ein Spenderherz.

Der Herzpatient wartete ein halbes Jahr auf ein passenden Spenderorgan. Am 25. Oktober ist es endlich so weit. Die Schwestern schieben ihn nachts in den OP und die Chirurgen setzen ihm das Herz eines Hirntoten ein. Die OP ist ein Erfolg. Kraus lebt – sein Körper stößt das Organ nicht ab.

Der 66-Jährige führt heute ein fast normales Leben. Aber nur fast. Die Medikamente, die er nehmen muss, damit das Spenderherz nicht abgestoßen wird, schädigen seine Nieren. So sehr, dass Kraus seit dem Jahr 2016 mehrmals die Woche stundenlang zur Dialyse muss. Das schränkt natürlich ein. Trotzdem ist er froh, sich für die OP entschieden zu haben, denn er hat dadurch Lebensqualität dazugewonnen. Er kann spazieren gehen, Roller fahren – Aktivitäten, die für ihn früher unmöglich waren.

In wessen Brust sein neues Herz einst schlug, weiß Jan Kraus nicht. In Deutschland erfahren Patienten nicht, wer die Organe gespendet hat. Und trotzdem ist er dem Spender sehr dankbar, dass er ihm ein neues Leben geschenkt hat.