Last-Minute-Widerstand gegen Ortsumfahrung

Schrobenhausen (intv) Seit 15 Jahren beschäftigt sich der Schrobenhausener Stadtrat mit dem Thema Ortsumfahrung Mühlried. Östlich des Stadtteils soll eine neue Anschlussstelle an die B300 mit großräumiger Umfahrung entstehen – auf Wunsch von Anwohnern. Nun ist seitens der Stadt alles beschlossen, und auch die Pläne liegen vor. Da regt sich neuer Widerstand – bei anderen Anwohnern. Auf einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend im Mühlrieder Sportpark wurde heiß diskutiert, denn auch Naturschützer laufen gegen den Bau der Trasse Sturm.

FFH-Gebiet in Gefahr

Die beachtlichen Ausmaße des mit 15 Millionen Euro angesetzten Projekts haben Mitglieder des Bund Naturschutz in den letzten Wochen direkt im Gelände mit Balken und Bändern abgesteckt. Sechs Meter hoch und 35 Meter breit wäre der Damm, auf dem die Straße ein geschütztes FFH-Gebiet durchqueren müsste. FFH steht für die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU. „Diese Gebiete genießen höchsten Schutz und dürfen nur unter besonderen Voraussetzungen angetastet werden“, erklärt Herwig Laabs vom der BN-Ortsgruppe Schrobenhausen. Vorsitzende Brigitte Streber kennt die Tierarten, die hier direkt an der Paar heimisch sind: „Storch, Kiebitz und Fledermaus müssen erhalten werden, aber auch kleinste Tiere wie Regenwürmer, die in solchen Gebieten in höherer Dichte vorhanden sind als anderswo.“

Gegner sammeln Argumente

In einem Infocontainer an der Aumühle haben die Gegner des Bauprojekts Informationen und Bilder ausgestellt. „Das größte Unding sehe ich im riesigen Flächenverbrauch der so genannten Krake“, sagt Landwirt und Mühlenbesitzer Johann Tyroller. Durch den Anschluss an die Bundesstraße würden 12 Hektar Ackerland vernichtet. Auch befürchtet Tyroller durch den Damm einen möglichen Rückstau der Paar; „wir hatten über 100 Jahre lang kein Hochwasser auf unserem Hof, das soll auch so bleiben“.

Verkehrsaufkommen in Mühlried

Ein weiterer Vorwurf der Gegner: Die Berechnungen zum Verkehrsfluss seien nicht hinreichend ausgearbeitet. Rund 35% Reduktion des Durchgangsverkehrs in Mühlried erhofft sich die Stadt durch die Umfahrung. Anwohner hoffen auf eine durchschnittliche Lärmreduzierung von 3 Dezibel. „Doch ortsferne Umgehungsstraßen werden seltener genutzt als ortsnahe, zugleich werden Mitterweg und Ingolstädter Straße dann wieder psychologisch attraktiver für Autofahrer“, so SPD-Stadträtin Martha Schwarzbauer. Sie befürchtet einen Schuss nach hinten und fordert stattdessen Investitionen in den ÖPNV. Andere Gegner brachten Alternativvorschläge wie Flüsterasphalt oder Tempolimit, um den Verkehr für Anwohner erträglicher zu gestalten.

Einwendungsfrist endet am 4. Dezember

Bürgermeister Karlheinz Stephan (CSU) kann den aufkeimenden Widerstand nicht verstehen. „Der Stadtrat beschäftigt sich seit 15 Jahren mit dem Thema, und die Untere Naturschutzbehörde war immer in die Planungen einbezogen“, so Stephan. Dennoch können die Bürger bis einschließlich morgen ihre Einwendungen schriftlich im Rathaus einreichen. Die Beschwerden gehen dann an die Regierung von Oberbayern und das Staatliche Bauamt, die nach Rücksprache mit der Stadt über die Planungen entscheiden – wohl frühestens im Laufe des kommenden Jahres.

Dieser Beitrag ist leider noch nicht verfügbar