Kundgebungen pro und contra Moschee

Schrobenhausen (intv) Showdown in Sachen Moscheedebatte: Am Wochenende kommt es im Schrobenhausener Stadtgebiet zu mehreren Aktionen und Kundgebungen. Dabei treffen Islamgegner auf Antifaschisten. Eine dritte Bewegung tritt unterdessen für Toleranz und Friedlichkeit ein.

Rechts contra links

Den Anfang machen die Linken. Unter der Leitung der Ingolstädter Linksjugend „[´solid]“ und der Grup­pe „La Resistance“ wollen Antifaschisten ab 10:30 Uhr vor dem Rathaus gegen Rassismus demonstrieren. Eine Stunde später hat sich die rechtspopulistische „Pro Bewegung Bayern“ angekündigt. Die Organisation, die unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes steht, betreibt unter dem Motto „Schrobenhausen braucht keine Moschee“ bereits seit längerem ein Internetforum. Dort werden islamfeindliche Parolen verbreitet. Beide Kundgebungen sind angemeldet und damit legal, dennoch ist Bürgermeister Karlheinz Stephan (CSU) das Aufeinandertreffen der beiden Gruppen ein Dorn im Auge. „Da steckt natürlich Brisanz drin“, so das Stadtoberhaupt. Ein Polizeiaufgebot soll für Ruhe sorgen.

„Die Gefahr an der Sache ist, dass die Mitglieder der Pro-Bewegung Wahrheiten verdrehen und auf bayerische Volkstümelei machen“, sagt Joachim Siegl. Der erste Vorsitzende des Vereins „Offene Türen“ hat deshalb mit zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern ein weiteres Projekt ins Leben gerufen: Schrobenhausen ist bunt. „Damit wollen wir ein Zeichen setzen und den Aufmarsch von ProBayern nicht unbeantwortet lassen“, so Siegl.

Bürger bekennen Farbe

So soll am Sonntag (09.03.) ab 14 Uhr ein großes Fest in der Innenstadt steigen. Viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben dafür bereits Plakate und Transparente gestaltet. Slogans wie „Wir alle sind Schrobenhausen“ oder „Freiheit und Toleranz“ sind darauf zu finden. „Die Kunstwerke werden wir bereits am Samstag aufhängen, um ProBayern einen standesgemäßen Empfang zu bereiten“, kündigt Mitorganisator Klaus Toll verschmitzt an. Am Sonntag sollen dann Luftballonaktionen und eine Menschenkette organisiert werden. Auch ein Blasmusikflashmob ist geplant, sagt Mitorganisator Andreas Wenger, der zugleich Dirigent der Pöttmeser Blaskappelle ist. „Heimatbewusstsein und Weltoffenheit schließen sich nämlich keineswegs aus“, sagt Wenger. Teilnehmen kann jeder, der ein Blasinstrument spielt. Treffpunkt ist um 13:30 Uhr am Kriegerdenkmal nördlich der Altstadt.

DITIB-Gemeinde freut sich auf Moscheebau

In stiller Zurückhaltung üben sich unterdessen die Mitglieder der Türkisch Islamischen Gemeinde (DITIB), die nicht zur Zielscheibe der Konfrontationen werden wollen. Die Muslime betreiben bereits seit 2001 eine Moschee in der Pöttmeser Straße, die jedoch zu klein geworden ist. „Außerdem wollen wir unsere Nachbarn nicht dauernd mit Lärmbelästigungen stören, zum Beispiel bei Ramadan-Festen“, sagt Vorstandsmitglied Asir Özen. Deshalb will der Verein auf einem Gelände im Gewerbegebiet an der B300 ein etwa 1.000 Quadratmeter großes Kulturzentrum errichten. „Mit Gebetsraum, Büro- und Konferenzräumen und einer Mehrzweckhalle für Feste und Sportveranstaltungen“, so DITIB-Vorstand Haci Yilmaz. Außerdem soll ein 17 Meter hohes Minarett errichtet werden, das mit LED-Technik beleuchtet werden kann. „So schaffen wir gleich ein künstlerisches Objekt“, sagt Yilmaz. Derzeit laufen die Verhandlungen zum Grundstückskauf. Die Baupläne für das 2-Millionen-Euro-Projekt waren bereits im Januar vom Bauausschuss der Stadt genehmigt worden. Finanziert wird die Moschee komplett aus eigenen Mitteln der DITIB-Mitglieder. Mit einem Baubeginn wird frühestens in drei Jahren gerechnet.