Kullikuck: Ein Wintertag in der Waldmulle-Schule

Schrobenhausen (intv) Irgendwo in den Wäldern um Schrobenhausen – an einer Stelle, die fast kein Erwachsener kennt – lebt ein ganz besonderes Wesen: Der Waldmulle. Schon seit 26 Jahren hat der kleine Geselle dort sein Zuhause. Ursprünglich kommt der Mulle aus Skandinavien, genauer gesagt aus Schweden. Dort wurde er in den 1960er-Jahren von einem Mann namens Gösta Frohm (1908-1999) erfunden. Nach Schrobenhausen mitgebracht hat ihn die gebürtige Schwedin Anita Egle.

„Der Mulle ist ein Bindeglied zwischen den Kindern und dem Wald“, so Egle, die in Schrobenhausen die einzige Waldmulle-Gruppe Deutschlands leitet. Jährlich geht es an vier Terminen im Frühjahr und Herbst mit zehn bis 15 Kindern in den Wald. Dort werden Geschicklichkeits- und Balancierspiele gemacht, oder wilde Fangspiele veranstaltet.

Wenn der Ruf „Kullikuck!“ ertönt, versammeln sich die Kinder rund um die Leiterinnen, um spannende Erlebnisse vom Mulle und seinen Freunden des Waldes zu erfahren. In Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz hat die Gruppe sogar eine kleine Waldmulle-Hütte aufgebaut. Nach einer Brotzeit hören die Kinder dort Märchen und Sagen aus Schweden. „Wir wollen, dass die Kinder eine Liebe zur Natur entwickeln“, sagt Egle, „denn was man liebt, das schützt man“.

Mit dabei ist auch Christine Hall-Walleser, die in Schrobenhausen als Landschaftsarchitektin und Gartentherapeutin tätig ist. „Wir haben oft Kinder dabei, die sich mit Bewegungsabläufen schwer tun oder leichte Entwicklungsschwierigkeiten haben“. Die heilsame Kraft des Waldes und das Spielen in der Gemeinschaft seien die ideale Lebenshilfe. Außerdem werde den Kindern auch Wissen über die Natur vermittelt. „Darum nennen wir es auch Waldmulle-Schule“, so Hall-Walleser.

In seiner Heimat hat der Waldmulle (schwedisch: „Skogsmulle“) großen Erfolg. Unter dem Dach der landesweiten Organisation Friluftsfrämjandet sowie der Gösta-Frohm-Waldmulle-Stiftung konnten schon mehr als zwei Millionen Kinder auf spielerische Weise die Natur entdecken. Mittlerweile gibt es das Projekt auch in anderen europäischen Ländern und sogar in Japan.