Kritik an Integrationspolitik: Ingolstädter legt sich mit oberster Flüchtlingsbehörde an, Seehofer reagiert

Ingolstadt (intv) Der Zustrom an Flüchtlingen seit 2015 hat das Landesbild verändert – für die Politik eine Zerreißprobe. Musterlösungen, Menschen aus anderen Kulturen nachhaltig in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, gibt es nicht. Sprachkenntnisse seien indes elementare Voraussetzung, schreibt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF, vor. Sogenannte Kursträger machen die Arbeit an der Basis. Die Bundesbehörde unter der Aufsicht von Horst Seehofer erprobt seit Frühjahr letzten Jahres die Zusteuerung von Teilnehmern in Integrationskurse. Die Qual der Wahl habe demnach nicht mehr der Kursteilnehmer, sondern die Behörde. Wie berichtet bietet ein kleiner Träger für Integrationskurse aus Ingolstadt den großen Entscheidern die Stirn. Jetzt kam eine Reaktion aus Berlin vom obersten Sheriff.

Manfred Quickert ist seit 35 Jahren in der Migrationsarbeit. Als Chef einer Sprachakademie auf Vereinsbasis, offiziell zugelassen als Kursträger, kennt er die Sorgen des kleinen Mannes. Hier in der Tränktorstraße in Ingolstadt, zentral gelegen, wird derzeit 150 Ausländern, davon 60 Flüchtlinge, die deutsche Sprache gelehrt. In einem offenen Brief an Horst Seehofer kritisierte Qickert die Integrationspolitik im Land. Nun kam Post aus Berlin – 3 Seiten – unterzeichnet von Bundesinnenminister Horst Seehofer. Das BAMF mit Sitz in Nürnberg habe auf die neue Situation im Land reagiert. Man erprobe an derzeit 24 Pilotstationen die Zusteuerung in Integrationskurse. Dort sei es gelungen, den Zeitraum von der Verpflichtung bis zum tatsächlichen Kursbeginn signifikant zu verkürzen. Wünsche der Teilnehmer würden dabei sehr wohl berücksichtigt werden. Man könne den Träger frei wählen, heißt es in dem Antwortschreiben. In der Praxis sei das anders, kritisiert Quickert. Man solle miteinander reden und nicht gegeneinander arbeiten. Die Bedenken der Integrationskursträger gegen die Einführung des „Zusteuerungsverfahrens“ seien sowohl dem BAMF als auch dem Bundesinnenministerium bekannt. Man habe die Kritikpunkte aufgenommen. Bis Mitte nächsten Jahres wird das Pilotprojekt fortgesetzt, um Prozesse und die Zusammenarbeit der Akteure vor Ort zu optimieren. Quickerts Antwort auf Seehofers Antwort geht demnächst in die Post.