Klüngelei unter Klerikern

Eichstätt (intv) Ziemlich genau vor einem Jahr kam alles ans Licht: Der Finanzskandal im Bistum Eichstätt hat die Gläubigen in ihren Grundfesten erschüttert. Ehemalige Mitarbeiter sollen dank massiver Defizite im System umgerechnet rund 50 Millionen Euro in ungesicherte Investitionen in den USA verzockt haben.
Laut eines unabhängigen Prüfberichts, der am Dienstag-Vormittag vorgestellt wurde, sei auch der damalige Finanzdirektor neben seinem Stellvertreter und dessen Geschäftspartner nicht etwa getäuscht, sondern mitschuldig gewesen. Er habe seine Pflichten aufs Gröbste verletzt, 31 Darlehensanträge unterschrieben, obwohl er des Englischen nicht mächtig war.

„Wir haben ein System vorgefunden, in dem einige Kleriker auf der operativen Seite tätig waren, auf der Aufsichtsseite tätig waren, sich selbst kontrolliert haben. Allein die Tatsache eines Theologiestudiums ist für die Bewältigung eines Haushalts mit circa 150 Millionen Euro Jahresumfang und einem Finanzvermögen von etwa 300 Millionen Euro nicht ausreichend fachlich geeignet“, so Rechtsanwalt Ulrich Wastl heute in seinen Ausführungen zum Prüfbericht. Die Anwaltskanzlei hat den Prüfzeitraum bis ins Jahr 2004 ausgedehnt. Unter Bischof Hankes Vorgänger Mixa wurde das System Eichstätt errichtet, dessen Spätfolge der Finanzskandal letztes Jahr.
Bischof Hanke wird in dem Prüfbericht dagegen entlastet, er hätte die Reformen früher anstoßen müssen.

„Wie konnte es dazu kommen? Diese Frage muss beantwortet werden, das sind wir den Gläubigen schuldig, deswegen auch dieser Auftrag zum Prüfbericht. Aber diese Frage treibt auch mich persönlich um. Ich hätte in der Tat die Transformation des Systems früher und konsequenter vorantreiben müssen“, gesteht Bischof Hanke ein.

Er selbst möchte den angestoßenen Prozess fortführen. Der Diözesanverwaltungsrat wurde im August 2017 neu besetzt, seit April 2018 ist ein Wirtschaftsexperte Finanzdirektor des Bistums.
Der gesamte Prüfbericht ist auf der Seite der Diözese Eichstätt nachzulesen.