Klangfarben einer Stadtmauer

Schrobenhausen (intv) Bereits seit einigen Monaten feiert die Stadt Schrobenhausen den 600. Geburtstag der massiven Verteidigungsanlage rund um den Innenstadtkern. Nun findet das Stadtmauerjubiläum auch künstlerisch seine Würdigung: Unter dem Titel „Klangfarben einer Stadtmauer“ wurde am Wochenende die Ausstellung Paarkunst 2014 im Pflegschloss eröffnet. 20 Künstlerinnen und Künstler aus dem Schrobenhausener Land bringen das Thema mit unterschiedlichen Materialen und Techniken aufs Parkett. Entstanden ist das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Schrobenhausen.

Malerei und Grafik

„Eine Mauer ist meist weiß gestrichen, darum habe ich ein hell gehaltenes Bild gemalt“, sagt Dieter Wührl. Sein Werk „Der Stehgeiger, der an der Stadtmauer geigt“ ist mit einem echten Geigenbogen geschmückt. „Den hat mein Enkel verwendet, er spielt seit seinem fünften Lebensjahr Geige“, so Wührl. Künstler wie Konrad Dördelmann oder Krimhild Jager haben unterdessen einige der Stadttürme in ihren Zeichnungen und Gemälden aufgegriffen. Dabei wird auch über den Tellerrand hinausgeblickt: Jörg Brauer verarbeitete Urlaubsimpressionen aus Österreich und Italien. „Der Schrobenhausener Stadtmauer habe ich in meinen Radierungen Mauern aus Villach und Glurns gegenübergestellt“, so der Gerolsbacher Künstler.

Dreidimensionale Objekte

Einen Holz-Paravent, gestaltet mit historischen Buchstaben und Ziffern, findet man im Portfolio von Ulrike Halfmann. „Kalligrafie fasziniert mich, und ich kombiniere sie mit Malerei“. Halfmann ließ aus diesem Grund antike Texte aus der Schrobenhausener Stadtgeschichte in ihre Bilder einfließen. Richtig klangvoll wird es unterdessen bei den Objekten von Nik Richter, der in seinen klingenden Holzschilden moderne und historische Elemente aufgreift und sie mit polynesischen und afrikanischen Einflüssen kombiniert. „Eines der Werke trägt den Titel ‚Der Schild des Stadtwächters, der dahinter vor Angst erstarrt ist'“, sagt Richter, und zupft dabei an den Stahlsaiten des Klangschildes.

Einen Raum weiter stehen zwei grimmige Bronzegestalten vis-à-vis, sich förmlich anschreiend – ein Kompromiss der Streithähne scheint nicht in Sicht. „Ich nähere mich dem Thema von der anderen Seite: Wo werden Mauern auf- statt abgebaut, auch im psychologischen Sinn“, sagt Objektkünstler Richard Gruber aus Hörzhausen. Auch Brigitte Schuster setzt wieder ganz auf Objektkunst, die Schrobenhausenerin hat ein Glasobjekt mit Stadtmauermotiv gestaltet und mit einem echten Ziegelstein kombiniert.

Patenschaft für Junge Kunst

Unter dem Motto „Du und ich – Patenschaft für Junge Kunst“ sind auch Angelika Schweiger (46) und Marina Abstreiter (20) vertreten. Die beiden Frauen haben jeweils eigenständig großformatige Bilder gemalt und dann in Streifentechnik zusammengesetzt – aus einer Mauer und einer jungen Dame wird so das MauerBlümchen. Sechs Gemeinschaftswerke der Künstlerinnen sind in der Ausstellung zu sehen.

Landkreisübergreifendes Kunstprojekt

„Paarkunst ist im Jahr 2008 in unserer Nachbarstadt Aichach entstanden, seit fünf Jahren sind auch wir mit dabei“, sagt Schrobenhausens Bürgermeister Karlheinz Stephan (CSU) über die Ausstellungsreihe, an der sich darüber hinaus die Kommunen Dasing, Friedberg, Kissing, Kühbach und Mering beteiligen. Jede der Städte und Gemeinden nähert sich dem Thema auf eigene Weise. In Schrobenhausen kann man die Ausstellung bis zum 26. Oktober sehen. Geöffnet ist sie jeweils Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14 bis 16 Uhr, für Gruppen auf Anfrage auch außerhalb dieser Zeiten.