Klärwerk als Rohstoffmine

Neuburg a.d. Donau (intv) Er ist wichtiger Teil unserer DNA, kommt in Lebensmitteln vor und wird vor allem im Kunstdünger eingesetzt. Die Rede ist von Phosphor. Das chemische Element P ist für uns lebensnotwendig, doch die Vorräte sind begrenzt. Deutschland ist zu 100 Prozent von Phosphat-Importen – meist aus China oder Israel – abhängig. Ein regelrechter Durchbruch wäre, Phosphor selbst zu gewinnen oder abzubauen. Dazu stand nun zwei Jahre lang das Neuburger Klärwerk im Fokus eines Pilotprojekts. Hier können bis zu 400 Liter Abwasser in der Sekunde durchgeschleust werden. Statt den gewonnen Klärschlamm samt dem enthaltenen Phosphor in einem Zementwerk zu verbrennen, wurde bei einem Teil des Schlamms der wertvolle Rohstoff herausgefiltert. Das Pilotprojekt wurde vom Karlsruher Institut für Technologie wissenschaftlich betreut. Das Rückgewinnungs-Verfahren beruht auf Kristallation:

„Wir haben in diesen zwei Jahren versucht, aus dem Abwasser Phosphor herauszufischen. Mit einem Calcium-Silikat-Hydrat, das ist ein spezielles Kalkmaterial, damit haben wird das vermischt und dann getrocknet. Der Phosphor, der in Neuburg gewonnen wird, wäre als Düngemittel einsetzbar. Das hätte den Vorteil, dass Phosphor, der bisher im Klärschlamm verbrannt wurde, nun recycelt werden kann.  Umweltschonend könnten wir ihn zurückgewinnen. Wir haben jetzt einen Antrag gestellt, beim Bundesumweltamt, damit so eine Anlage gefördert wird. Vor zwei Tagen haben wir die Absage erhalten“, so Paul Leikam, Amtsleiter für Abwasserbeseitigung und Hochwasserschutz in Neuburg.

Die Begründung: Eine Forderung des Bundesumweltamtes ist nicht erfüllt. Der zurückgewonnene Phosphor muss erst als Düngemittel zertifiziert sein. Die Rückgewonnenen Phosphorpräparate, also Reststoffe, sogenannte Rezyklaten, haben noch keinen Düngemittelstatus, ein kompliziertes Genehmigungsverfahren.

„Der Phosphor wird rückgewonnen aus Gülle und Abwasser. Das ist per se ein Abfallstoff und alles was daraus gewonnen wird, muss immer als Abfallstoff begutachtet werden. Und es ist dementsprechend schwierig dafür ein Zertifikat zu bekommen, weil man bene sicherstellen muss, dass das dann kein Abfall mehr ist, sondern ein Rohstoff, ja ein Wertstoff, den man bedenkenlos wieder einsetzen kann, auch in der Landwirtschaft. Im Zuge dessen wird jetzt auch die Klärschlammverordnung geändert und wenn wir das alles auf den Weg bringen, bin ich zuversichtlich, dass in vier bis fünf Jahren Technologien auf dem Markt sind, die ihre Produkte einsetzen können“, ist sich Daniel Frank von der Deutschen Phosphor Plattform sicher.

Und auch das Klärwerk Neuburg will die Wirtschaftlichkeit einer Anlage zur Phosphorrückgewinnung weiter prüfen. Pro Jahr gehen allein in Neuburg 1.500 Tonnen an getrocknetem Klärschlamm zur Verbrennung in Zementfabriken. Mit der Gesamtmenge in Deutschland schätzt Frank etwa ein Drittel bis 50 Prozent des Phosphoranteils in Düngemitteln aufzuwiegen. In Neuburg bleibt dieses Kapitel allerdings weiterhin Zukunftsmusik.