Kettensägen-Attacke auf Pizzabote vor Gericht

Ingolstadt (intv) In der Keplerstraße spielten sich am 2. Januar diesen Jahres Szenen wie aus einem Horrorfilm ab. Drei Jugendliche bedrohen einen Pizzaboten mit Axt und laufender Motorsäge. Als der sich in seinen Lieferwagen flüchtet, schlagen sie brutal auf Seiten- und Windschutzscheibe ein. Die Kettensäge dringt auf der Fahrerseite ins Innere des Autos, der Pizzabote duckt sich weg. Er flüchtet mit seinem Lieferwagen. Drei junge Männer müssen sich für diese Attacke ab heute vor dem Ingolstädter Landgericht verantworten.

Die Anklage lautet neben Sachbeschädigung und Diebstahl für zwei der drei jungen Männer auf versuchten Totschlag. Daniel I., Nikita S. und Peter V. bereuen ihre Taten, laut Verteidigereinlassung räumen sie sie in groben Zügen ein. Eine Verletzungs- oder gar Tötungsabsicht bestreiten beide Beschuldigten. Es hat bereits ein Täter-Opfer-Ausgleich stattgefunden, es gab eine Entschuldigung. Und doch steht dem Landgericht ein umfangreicher Indizienprozess bevor: „Ganz entscheidend wird es hier darum gehen, ob der Tatvorwurf des Versuchten Totschlags überhaupt aufrecht erhalten werden kann. Die Verteidiger haben in ihrer Einlassung dargelegt, dass man lediglich versucht hat, den Pizzaboten zu erschrecken, indem man die Scheibe einschlägt. Das würde natürlich bedeuten, dass es sich nicht um einen versuchten Totschlag handelt, was natürlich zu einer ganz erheblichen Reduzierung des Strafmaßes beitragen würde. Ein entscheidener Gesichtspunkt in diesem Prozess wird sein, ob gegen die drei Angeklagten, die zum Tatzeitpunkt 20 Jahre und 21 Jahre alt waren, Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung kommt, oder Jugendstrafrecht. Ein dritter Punkt wird sein, ob die Schuldfähigkeit durch vorangegangenen Alkohol- und Betäubungsmittelkonsum eingeschränkt war, und wenn ja, in welchem Maße „, so Heike Linz-Höhne, Pressesprecherin am Landgericht Ingolstadt.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Dreien zusätzlich vor, im Vorfeld der nächtlichen Attacke auf dem Kauflandparkplatz wahllos Scheiben von parkenden Autos eingeschlagen zu haben. Aus einem Firmenwagen sollen sie dann die Kettensäge gestohlen haben. Nach zehn Verhandlungstagen und dutzenden Zeugenaussagen erhofft sich die Große Jugendkammer Licht in die Nacht des 2. Januar zu bringen. Das Urteil wird anfang Dezember erwartet.