Keine freie Integrationskurswahl? Ein offener Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer

Ingolstadt (intv) Stellen Sie sich mal vor, Sie hätten nicht frei entscheiden können, wo Sie arbeiten gehen oder welche Schule Sie besucht haben. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge will Asylsuchenden das künftig bei ihren Integrationskursen vorschreiben. Das BAMF will die Kursteilnehmer direkt an die verschiedenen Träger zuweisen. Der Geschäftsführer einer solchen Einrichtung in Ingolstadt fürchtet einen weiteren Skandal beim BAMF. Er hat deshalb einen offenen Brief an Innenminister Horst Seehofer geschrieben.

Integrationskurse gehören zu den Hauptaufgaben des Internaionalen Kulturvereins Sprachakademie, einer von tausenden Kursträgern deutschlandweit. In Zukunft sollen BAMF-Mitarbeiter über die Trägerwahl entscheiden, nicht mehr die Kursteilnehmer selbst. Fatou Sanneh lebt seit 7 Jahren in Deutschland und hat für ihre Sprachkurse die IKS selbst ausgewählt, nachdem sie sich im Internet schlau gemacht hatte. Sie hält nichts von der Ortsvorschreibung eds BAMF und kann sich gut vorstellen, dass nachfolgende Kursteilnehmer weniger motiviert sein werden, wenn sie eigentlich wo anders hin wollten. Dass die Gambierin selbst entscheiden durfte war für ihr späteres Leben in Deutschland wichtig: Sie war so gut im Kurs, dass sie Und zwar so gut, dass die Gambierin als Sekretärin dem IKS-Geschäftsführer Manfred Quickert zuarbeiten darf. Mit solch motivierten Teilnehmern könnte Quickert in Zukunft nicht mehr rechnen.Das zieht eine weitere Gefahr mit sich.
“ Durch die Zentraliesierung werden nicht die Marktbedingungen außerhalb der Zusteuerung berücksichtigt. Eine Schule organisiert sich nach Personal, Kursteilnehmer, Raumkapazitäten, Bedarfsanalyse usw. So mach ich mein Angebot und schau wie ich mit den Teilnehmern hinkomme.“, erklärt Quickert.

Dazu kommt, dass auch die Einstufungstests zentralisiert und nicht mehr beim Träger selbst abgehalten werden sollen. Dafür braucht das BAMF im Vergleich zum Träger das vierfache Personal. Das muss zusätzlich anreisen, ebenso die Teilnehmer. Die Folge: Mehr Kosten für den Bund. Apropos Fahrtkosten: Da hat das BAMF bereits Änderungen vorgenommen, mit einem fragwürdigen Ergebnis. „Zum Beispiel haben wir aus Schrobenhausen drei Preise, wo die Teilnehmer von 10 Euro zuviel bis 50 Euro zu wenig für die Fahrtkosten bekommen. Und da stehen die Asylsuchenden dann bei uns und schütteln mit dem Kopf, die laden das bei uns ab und fragen was hier los ist. Und da frag ich mich schon ob im MIttelbau des Bundesamtes sowas wie Realitätsferne herrscht.“, so Qickert.

Der Geschäftsführer ist enttäuscht, dass bei all diesen Themen die Expertise der Träger nicht zu Rate gezogen wird. Grund genug seinem Frust anhand eines offenen Briefes an Horst Seehofer Luft zu machen. Er möchte die Zentralisierung stoppen und einen weiteren Skandal beim BAMF verhindern. Andere Träger haben ihm schon ihre Unterstützung zugesagt.