Kaum Veränderungen zum Vorjahr – Amtsgericht Ingolstadt zieht Bilanz für 2018

Ingolstadt (intv) Bayern gelten eher als gemütlich und sozial. So manchem reißt der Geduldsfaden allerdings schon mal am eigenen Gartenzaun oder auf dem Weg ins Büro. Als Folge dessen befindet sich etwa jeder Vierte Bundesbürger im Rechtsstreit. Das Amtsgericht Ingolstadt hat heute die Fälle des vergangenen Jahres zusammengefasst. Vor allem der Zeitaufwand ist gestiegen.

180 Mitarbeiter, 26 Richter und drei Gebäude – zu tun haben sie alle genug. Das Amtsgericht befasst sich mit Fällen aus dem strafrechtlichen Bereich, Familien- und Betreuungsangelegenheiten, doch auch Zivilgericht und das Grundbuchamt gehören zu den Aufgaben. Insgesamt gab es 2018 nicht mehr Fälle als im Jahr davor, die Verteilung hat sich aber verändert. Bei den Erwachsenen sind die Strafsachen leicht rückläufig, bei den Jugendlichen dafür leicht angestiegen.

Ein Zeitfresser ist die Abschiebehaft, denn das Verfahren kostet Zeit. Dem Urteil gehen eine Anhörung, Anträge, Übersetzungen und Beschlüsse voraus. Ein Fall nimmt damit etwa 90 Minuten in Anspruch. Viel Vorlauf zum Planen bleibt nicht, die Fälle kommen spontan. Dass die Juristen immer mehr auf plötzliche Arbeit gefasst sein müssen, zeigt sich auch in anderen Bereichen wie dem Betreuungsgericht. Seit September dürfen nicht mehr die Klinikleiter über längere Fixierungen entscheiden, sondern nur noch Richter. Spontanität gehört damit zum Tagesgeschäft. Das ist an sich nicht das Problem, aber die Tagesplanung kommt durcheinander und andere Arbeiten bleiben liegen.

Eine durchwachsene Bilanz zeigt sich beim Familiengericht. Zwar hatten sich weniger Paare scheiden lassen, die Streitigkeiten bei emotionalen Themen wie Umgang und Sorgerecht für die Kinder haben aber deutlich zugenommen.