„Kann man Leichenstarre sehen?“

Ingolstadt (intv) Weitaus weniger Medienrummel am zweiten Verhandlungstag im Mordprozess um Stefan S., der im Juli vergangenen Jahres einen Getränkemarktleiter in Pfaffenhofen erstochen haben soll. Heute ging es am Landgericht weniger um die Person des Angeklagten oder mögliche Motive für die Bluttat, sondern um Spurensicherung aus dem Lehrbuch. Insgesamt acht Zeugen hat sich das Gericht heute vorgenommen. Darunter Polizeibeamte und Rettungssanitäter, allen ist gemein: sie waren die ersten am Tatort im Pfaffenhofener Getränkemarkt. Detailliert haken die Richter nach, wo das Opfer lag, in welcher Position und Verfassung. In eine Ecke gedrängt, so beschrieb es einer der Zeugen.

Für Verblüffung sorgte der alarmierte Notarzt, der den Körper des 61-jährigen Opfers nicht einmal berührte, um dessen Tod festzustellen.“Ich wollte eben keine Spuren verwischen, die Leichenstarre war bereits eingetreten.“ Das habe er so aus dem Fernsehen gelernt. Darauf die berechtigte Frage eines Gutachters: „Können Sie denn Leichenstarre sehen?“ Der Notarzt anscheindend.

Desweiteren fiel ebenfalls kein gutes Licht auf die Vorkehrungen der Polizeibeamten bezüglich der Spurensicherung. „Wir hätten wohl Überzieher über den Schuhen haben sollen“, räumte ein Kriminalbeamter ein. Auf der Anklagebank blieb es indes ruhig, Stefan S. zeigte sich jedoch interessiert, machte hin und wieder Notizen. Er hat sich scheinbar genauestens mit seiner Akte befasst. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.