„Irgendwann muss auch mal Schluss sein“

Ingolstadt (intv) „Das schönste am Ruhestand ist, dass der Wecker nicht mehr so früh klingelt“, verrät Paul Weingartner (1. v. r.) schmunzelnd bei seiner heutigen Verabschiedung am Ingolstädter Landgericht. Mit 67 Jahren geht der langjährige Vizepräsident und Schwurgerichtsvorsitzender in den Ruhestand.  Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn Weingartner hat sein Richteramt mit Herzblut ausgeführt. In über 700 Prozessen hatte er den Vorsitz, wobei ihm so mancher Verhandlungstag schlaflose Nächte bereitet habe: „Mir werden viele Prozesse in Erinnerung bleiben, umfangreiche, skurile, aber auch bewegende Verhandlungen. Das Wichtigste ist, dass man versucht, den einzelnen Beteiligten gerecht zu werden, die Menschen als solche zu akzeptieren, auch wenn derjenige, der vor einem sitzt, vielleicht die schlimmste Straftat begangen hat. Und dass man sich bemüht, eine gerechte Strafe zu finden, was natürlich manchmal auch sehr schwierig ist.“

Auch Karl Huber (2. v. l.), Präsident des Oberlandesgerichts, hätte Weingartner gern bei sich in München gehabt, oder hätte ihm gar eine Stelle am Bundesgerichtshof zugetraut. Aber Paul Weingarnter blieb lokal in Ingolstadt verwurzelt. Die Fußstapfen seien zwar groß, dennoch ist sich Sibylle Dworazik, Leiterin des Landgerichts sicher, mit Jochen Bösl einen idealen Nachfolger für Weingartners Amt gefunden zu haben. Der 52-Jährige war selbst sieben Jahre lang Beisitzer von Weingartner, fand in ihm einen Lehrmeister: „Er war für mich als Richter immer ein Vorbild, vor allem menschlich hat er gezeigt, dass man als Richter auch Respekt gegenüber Verfahrensbeteiligten haben sollte. Später in so guter Erinnerung zu bleiben wie Paul Weingartner, das wäre ein großer Erfolg für mich.“ Seine Begabung als Richter wird Bösl schon bald unter Beweis stellen müssen: In der nächsten Zeit kommen größere Strafverfahren auf den neuen Vizepräsidenten zu. Er wird im laufenden Jahr  die Ingolstädter Gewaltdelikte des vergangenen Sommers verhandeln, 2014 sei für ihn bereits so gut wie ausgebucht.