intv bei einer High-End-Schneiderin im Atelier

Neuburg a.d. Donau (intv) Sie lässt den Renaissance-Hochadel wieder auferstehen. In Kleidern, Wams und Schauben von Nina Schmickler-Reibold kann man sich wirklich fürstlich, ja adelig fühlen. Die Diplom-Mode-Designerin hat ihre Passion für historische Gewandschneiderei bereits vor 15 Jahren entdeckt.

Bordeauxrot und Royalblau waren damals die Prachtfarben der Edelleute. Oftmals sind die Gewänder von historischen Gemälden nachkonstruiert. Die Originaltreue hat für die Schneiderin Priorität, für sie ist die Renaissance Zeit des Umbruchs, das spiegelt sich auch in der Kleidung wider: „Im Gegensatz zum Mittelalter ist die Männermode der Renaissance nicht mehr vertikal, sondern horizontal ausgerichtet. Die Gewänder sind breiter, so wie unser Pfalzgraf Ottheinrich, wie man ihn sich vorstellt, Puffärmel, damit sie mächtig und damit einhergehend auch wohlhabend wirken“, erklärt Reibold. „in der Damenwelt werden die Oberteile enger, im Mittelalter noch lose und mit Gürtel zusammengehalten, jetzt werden die Mieder geschnürt.“

Zwei Schneiderinnen unterstützen Sie bei der Arbeit, ansonsten würden die gut 20 Aufträge kurz vorm Schlossfest wohl nicht mehr fertig werden. Vom ersten Entwurf bis zum letzten Nadelstich sitzt Reibold bis zu 200 Stunden an ihren Werken. Jedes Kleidungsstück ist eine Maßanfertigung. Die liebevollen Details machen Reibolds Arbeit zum High-End-Produkt.

Auf manchen Kleidern werden beispielsweise schier unzählige Perlen verarbeitet. Wer Geld hatte, wollte das zeigen. Das ist wohl auch heute noch so. Die einfachsten Gewänder fangen bei Reibold bei 500 Euro an. Der Preis ist je nach Kundenwunsch nach oben hin offen. Ihr Motto: „Nach dem Schlossfest ist vor dem Schlossfest“: Gleich nach dem zweiten Festwochenende am 3. bis 5. Juli wird wohl die nächste Auftragswelle anrollen, die High-End-Schneiderkunst spricht sich eben rum.