Integration durch Praxis: Asylbewerber in der Berufsschule

Pfaffenhofen (intv) Manche von ihnen haben Dinge erlebt, die wir uns weder vorstellen können noch vorstellen wollen. Sie kommen aus Afrika oder dem Nahen Osten, aus Ländern in denen ein Menschenleben nichts zählt, weil Gewalt und Unterdrückung seit Jahrzehnten die Gesellschaft prägen. Umso dankbarer sind diese jungen Asylbewerber, wenn sie in der Berufsschule an Metall- oder Holzstücken feilen dürfen. Selbst die, die in ihrer Heimat Universitätsabschlüsse erworben haben, lernen hier gerne, wie es sich anfühlt, mit verschiedenen Werkzeugen und Maschinen verschiedene Materialien zu bearbeiten. Nur in der Küche fühlen sich manche der jungen Männer fehl am Platz. Doch trotzdem wird ihnen hier beigebracht, wie man kocht und backt, auch wenn das in ihrer Heimat allein den Frauen vorbehalten ist. Manche der jungen Frauen aus den Asylunterkünften sind dagegen stolz, dass sie in der Schreinerei z.B. einen eigenen Würfel herstellen durften. Struktur im Alltag und Entwicklungspotential, das ist das wichtigste, was die Berufsschule den jungen Leuten bieten kann. Und natürlich Deutschunterricht. Der wird auch theoretisch vermittelt und dann bei gemeinsamer Arbeit in den Werkstätten ganz natürlich im Gespräch miteinander angewandt. Nach der Schule haben mehr als ein Dutzend der jungen Männer jetzt auch die Möglichkeit, Fussball zu spielen. Eine Berufsschullehrerin mit arabischen Wurzeln hat über ihren Mann eine Verbindung zum MTV Pfaffenhofen hergestellt. Dort ist man froh über neue Talente und stellt ihnen auch Ausrüstung bereit. Momentan werden die begeisterten Freizeitsportler noch von deutschen Vereinsmitgliedern mit dem Auto zum Training abgeholt. Langfristig wollen sie am liebsten nicht im Landkreis, sondern in Pfaffenhofen wohnen, um möglichst oft kicken zu können.