Integration „Bayern Turbo“

Ingolstadt (intv) Sie wohnen beispielsweise in zentralen Flüchtlingsunterkünften in Winden am Aign oder in Neuburg. Für die nächsten sechs Monate kommen 22 junge Asylbewerber allerdings in Ingolstadt, im Beruflichen Fortbildungszentrum, kur bfz, zusammen. Seit einer Woche läuft das Pilotprojekt „Bayern Turbo“.

Anhand verschiedenster Aufgabenstellung werden Fähigkeiten und Kompetenzen der Flüchtlinge ermittelt: übernimmt beispielsweise einer die Führung, oder ist ein anderer handwerklich begabt? Das und vieles mehr haben die Beobachter beim Seifenkistenbau herausgefunden. Da haben die Flüchtlinge eine Stunde Zeit, nur Bastelmaterialien und Klebeband zur Verfügung. Die Seifenkiste muss fahren und sogar ein halbes Kilo an Gewicht tragen können. Ist das überhaupt zu schaffen? „Ja natürlich, wir bauen sogar ein Sportauto, der fährt 200 Kilometer in einer Stunde!“, scherzt Aras, ein Asylbewerber aus dem Irak. „Ohne Dach“, ergänzt er. Also ein Audi-Cabriolet. Der Schritt zur Ingolstädter Integration scheint getan.

Der 20-jährige Iraker ist einer von 22 Asylbewerbern, die mit guter Schulbildung und hoher Bleibewahrscheinlichkeit beim Projekt Bayern Turbo der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft – mitmachen. Ziel ist, die Jugendlichen in Ausbildung und Arbeit zu bringen. Zugewiesen werden sie von der Agentur für Arbeit Ingolstadt. Bayern Turbo ist da aber nicht der einzige Ansatz: „Es gibt auch Möglichkeiten der Einstiegsqualifizierung, wo man bei einem Beitrieb, bei dem man später vielleicht eine Ausbildung machen möchte, schon mal sechs bis zwölf Monate hospitiert und einen Teil der Ausbildung absolviert. Dann gibt es noch unsere Möglichkeit der assistierten Ausbildung speziell für Flüchtlinge, wo sowohl der Betrieb als auch der junge Mensch sozialpädagogische Begleitung hat, dass es  nicht zu einem Ausbildungsabbruch kommt, sondern zu einem Bestehen der Abschlussprüfung“, erklärt Manfred Jäger, Leiter der Agentur für Arbeit Ingolstadt.

Kompetenzen wie Teamfähigkeit, zielorientiertes Denken oder Sprachkenntnisse werden von den sogenannten Beobachtern im Kurs „Bayern Turbo“ ermittelt: „Wenn Probleme auftreten, ob sie die auch lösen und ob sie miteinander kommunizieren. Und da schauen wir, dass sie das auch auf Deutsch machen, später im Betrieb bekommen sie auch Anweisungen von Mitarbeitern auf Deutsch, die müssen sie auch verstehen“, erklärt Ausbilder Walter Hager.

Bei Aras‘ Abschlusspräsentation hält das Audi Cabrio, was es verspricht. Gewichtstest bestanden. Ingenieure und Konstrukteure von morgen kann die Automobilindustrie ja bekanntlich nie genug haben.