Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus: Beweggründe, Folgen und Reaktion eines Geistlichen

Pfaffenhofen (intv) Von 101 auf 235. Die Kirchenaustritte in Eichstätt haben sich im letzten Jahr mehr als verdoppelt. Mit diesem Verhältnis ist die Stadt Spitzenreiter in der Region. Doch auch im restlichen Sendegebiet steigt die Zahl derer, die dem Kirchenregister den Rücken kehren. Auch Pfaffenhofen hatte vor einigen Jahren einen Missbrauchsskandal. Das Verfahren gegen den ehemaligen Stadtpfarrer wurde später eingestellt. Die Ermittler hatten keine Hinweise darauf gefunden, dass der Geistliche Kinder missbraucht hatte. Die Sache hatte trotzdem Auswirkungen auf die Einstellung der Menschen zur Kirche. Wie die Menschen in Pfaffenhofen heute über Kirche denken und was der neue Pfarrer über die Austritte denkt, haben Andrea Schneider und Elisabeth Kölbl festgehalten.

Die Austrittszahlen steigen und steigen – und das im urkatholischen Bayern. Schon 2014 gab es eine größere Austrittswelle in Roth, Ingolstadt und Neuburg. 2018 stechen Neumarkt, Weißenburg, Eichstätt und Ingolstadt hervor. Auch im Landkreis Pfaffenhofen haben viele ihre Glaubenszugehörigkeit abgelegt. Ist die Kirche ein Auslaufmodell?

Für den katholischen Pfarrer Albert Miorin war der Rückgang absehbar. Überrascht ist er von einer ganz anderen Sache: den Rückkehrern. Alleine in seiner Pfarrei laufen momentan vier Verfahren. Neben persönlichen oder finanziellen Gründen treiben auch Negativschlagzeilen, wie der Finanzskandal in Eichstätt die Menschen aus der Kirche. Die Gemeinden selbst seien oft gar nicht der Auslöser. Sie erfahren oft erst vom Einwohnermeldeamt, wenn jemand austritt. Die wenigsten Menschen suchen davor das Gespräch. Pfarrer Miorin schlägt eine allgemeine Kultursteuer vor, deren Zweck jeder selbst bestimmen kann. Dann müssten sich die einzelnen Kirchen selbst darum kümmern sich wieder in ein positives Licht zu rücken.