„Im Zweifel für den Angeklagten“

Ingolstadt (intv) Während des gesamten Prozesses stand es Aussage gegen Aussage. Die 23-jährige Ingolstädterin gab an, ihr Bekannter habe sie im November 2011 vergewaltigt. Der Angeklagte, ein gebürtiger Pakistaner, bestreitet die Tat nach wie vor. Er habe in dieser Nacht lediglich Nacktfotos von der jungen Frau gemacht. Nicht der einzige Widerspruch, mit dem sich die Geschworenen in vier schwierigen Prozesstagen auseinandersetzen mussten. Heute hat das Landgericht Ingolstadt das Urteil gefällt. „Die widersprüchlichen Aussagen der Zeugin machen es unmöglich, die Wahrheit ans Licht zu bringen“, so Staatsanwalt Pohle in seinem Plädoyer. Die junge Frau hatte zwei unterschiedliche Angaben zum Tathergang gemacht und schließlich von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Seiner Meinung nach reiche die Beweislage deshalb nicht aus, den Angeklagten wegen Vergewaltigung zu verurteilen. Was bleibt, sei die Nötigung, die der mutmaßliche Täter während der Verhandlung bereits zugegeben hatte. Ein Standpunkt, den auch Verteidigerin Kremer teilte. Nebenklägervertreter Kragert war hier allerdings komplett anderer Meinung. Er hatte keinen Zweifel daran, dass es zu einer Vergewaltigung gekommen ist. Denn trotz der widersprüchlichen Aussagen habe die junge Frau das Kerngeschehen immer gleich geschildert. Am Ende hieß es dann aber doch „in dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten“. So wurde der Beschuldigte wegen Nötigung zu sechs Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Die Vorsitzenden waren zwar der Meinung, dass in besagter Nacht eine Sexualstraftat ausgeübt wurde, die Beweislage habe zu einer Verurteilung aber nicht ausgereicht.