„Ich bin der böse Mann aus dem Ingolstädter Rathaus“

Ingolstadt (intv) Von halb neun Uhr morgens bis kurz vor 18 Uhr am Abend – das sind gut neun Stunden, die im Arbeitsalltag schnell vergehen können. Für die Geiseln, die Sebastian Q. vor mehr als einem Jahr im Ingolstädter Rathaus fest hielt, waren es wohl die längsten neun Stunden ihres Lebens. Ein Polizeibeamter hatte während der gesamten Zeit telefonischen Kontakt zum Geiselnehmer – vor dem Landgericht Ingolstadt wurden heute Auszüge aus den Telefonaten abgespielt. Darin wurde noch einmal deutlich, dass sich Sebastian Q. durchaus über seine Situation und die möglichen Konsequenzen bewusst war. Er wirkte oft ruhig und kontrolliert, wenn er allerdings das Gefühl hatte, dass ihm die Polizei zu nahe kam, wurde er aggressiv – dabei betonte er mehrmals, dass er den Geiseln wortwörtlich eine Kugel in den Kopf jagen wolle. Und auch vor den Polizeibeamten machte er keinen Halt. „Wenn ich einen Polizisten im Rathaus sehe, dann baller ich ihn ab“, so der 25-Jährige in einem der Telefonate vom 19. August vergangenen Jahres. Ähnliche Stimmungsschwankungen hatte Sebastian Q. auch im laufenden Prozess an den Tag gelegt. Während er Richter und Staatsanwalt in der Vergangenheit oft wüst beschimpfte, verhielt er sich heute ungewohnt ruhig – selbst, als der Polizeibeamte, der am Tag der Geiselnahme telefonischen Kontakt zu ihm hatte, aussagte. Der Mann gab an, dass bis zum Schluss nicht klar war, was Sebastian Q. wirklich vorhatte. Die Verhandlung wird am 10. November fortgesetzt, dann werden die Plädoyers erwartet.