„Hopfenweltmeister“ in der Hallertau

Ratzenhofen (intv) Deutschland ist nicht nur Fußballweltmeister, Deutschland ist auch Hopfenweltmeister. Vor allem der Hopfenanbau in der Hallertau – ein Aushängeschild deutscher Landwirtschaft, so Jakob Opperer, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Aber nicht nur Pflanzenschutzmittel und Anbauflächen, sondern auch das Sortenspektrum und die diesjährigen Ernteaussichten waren Thema auf der traditionellen Hopfenrundfahrt – dieses Jahr jedoch ohne Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Der war wegen einer akuten Knieverletzung verhindert. Das konnte die erfreuliche Nachricht des Tages jedoch nur bedingt trüben: Denn der durchwachsene Sommer ließ die Hopfendolden sprießen: „Immer wenn es regnet, vor allem im Juli und August, das ist für den Hopfen gut, weil die Pflanze viel Wasser braucht. Und wenn sie viel davon bekommt, dann stimmt der Ernteertrag, dann stimmen die Inhaltsstoffe. Die Witterung war in den letzten Wochen perfekt, deshalb erwarten wir eine gute Ernte“, freut sich Johann Pichlmaier, Präsident des Verbandes Deutscher Hopfenpflanzer e.V.

Auf den geschätzten Ernteertrag von insgesamt knapp 36.000 Tonnen stoßen die Teilnehmer in Ratzenhofen vor der Hopfenrundfahrt erst einmal zünftig an. Diesjährige Station ist neben dem Forschungszentrum Hüll bei Wolnzach der Betrieb der Familie Zierer. Der Hopfenpflanzer Georg Zierer baut vermehrt Aromahopfen an: „Wir bauen 12 verschiedene Sorten an, der Trend geht hin zu den Aromasorten, weg vom Einheitsbrei. Wir hatten in der Hallertau ursprünglich mehr Aromasorten, haben es dann aber den Amerikanern nachgemacht und Hochalphasorten eingelegt. Jetzt machen es die amerikanischen Kollegen wieder anders herum, sie gehen auf die Aromasorten und wir hinken wieder hinterher“, erklärt Georg Zierer.

Der erfreuliche Trend: Die Nachfrage nach Hopfen steigt weltweit. Die Konsequenz: die Hopfenanbaufläche wächst gegenüber dem Vorjahr um 2,7% auf etwa 17.000 Hektar, gut 14.000 Hektar davon finden sich allein in der Hallertau. Trotz des Ausbaus der Flächen geht die Zahl der Betriebe jedoch zurück. Doch nicht nur der unaufhaltsame Strukturwandel, auch das Thema Pflanzenschutz brennt den Hopfenbauern auf den Nägeln. „Das ist kein Teufelszeug, sondern Handwerkszeug“, betonte Otmar Weingarten, Geschäftsführer des Verbands der Hallertauer Hopfenpflanzer. Hier ist auch die Politik gefragt, so Jakob Opperer, heuer Vertreter des Landwirtschaftsministers. „Die Politik kann für gute Rahmenbedingungen sorgen. Dass die Forschung die Grundlage schafft für den zukünftigen Hopfenbau, nicht nur hier in Bayern, sondern in ganz Deutschland. Indem Züchtung, indem Pflanzenschutzfragen, in dem produktionstechnische Fragen geklärt werden“, so Opperer.

Mit dem traditionellen Starten der Pflückmaschine ist nun die Erntesaison 2014 offiziell eröffnet. Nach der sehr schlechten Ernte 2013 erwarten die Pflanzer ein Plus von etwa 25%. Und dann fließt auch schon bald wieder der goldene Gerstensaft.