Hinter den Kulissen: Mordermittler gibt Einblick in seine Arbeit

Ingolstadt (intv) Jährlich bearbeitet die Kripo Ingolstadt zwischen 300 und 350 Todesfälle, deren Ursache sie erst noch ermitteln muss. Dazu gehören neben Suizid und plötzlichem Kindstod auch Mord oder versuchter Mord. Im Jahr 2013 waren es 28 Tötungsdelikte. Darunter auch die versuchten Tötungen. 2014 waren es nur noch 18 Morde und Mordversuche. In diesem Jahr musste die Kripo schon sechs Mal an einen Tatort ausrücken. Seite Ende 2006 leitet Manfred Schallerer das Kommissariat 1 der Kripo Ingolstadt. Der 57-jährige und seine Kollegen werden gerufen, wenn höchstpersönliche Rechtsgüter verletzt wurden. Also bei Sexualdelikten, schwerwiegenden und außerdordentlichen Brand- und Betriebsunfällen oder eben Mord. Als Kommissariatsleiter ist Schallerer für die Koordinierung der Aufgaben zuständig. Dabei ist er immer hoch konzentriert. Vor allem die Anfangsphase ist bei Mordermittlungen entscheidend. Die Spuren am Tatort und Erinnerungen von Zeugen sind noch frisch. Da muss sich Schallerer auf sein Team verlassen können. Bis das K1 in Erscheinung tritt, setzt sich eine ganze Kette von Eregnissen in Gang. Im schlimmsten Fall wird der Einsatzzentrale ein Mord gemeldet. Meist wird dann erst ein Streifenfahrzeug der örtlichen Polizeiinspektion an den mutmaßlichen Tatort geschickt. Wenn die Beamten sicher sind, was genau passiert ist, verständigen sie das zugehörige Fachkommissariat. Im Falle eines Mordes oder versuchten Mordes eben das K1. „Am Tatort selbst geht die Gründlichkeit und die Genauigkeit vor und nicht die Tatsache, dass ein Fall schnell gelöst wird,“ so Manfred Schallerer. Anders als man das aus dem Fernsehen kennt, können in der Frühphase der Ermittlungen Arbeitstag schon einmal 12 bis 14 Stunden dauern. Das zieht sich meistens über die ersten Wochen und endet erst, wenn der Täter gefasst ist. Da in der Regel Verbrechen eher am Wochenende oder Nachts geschehen, müssen die Ermittler flexibel sein. Das ist auch für die Familien nicht immer einfach. Dafür braucht es viel Verständnis. Schließlich ist die Arbeit am Tatort nicht vorbei. Zeugen müssen vernommen und Beweismaterial gesichert und dokumentiert werden. In den Vernehmungen sitzen die Beamten irgendwann auch den mutmaßlichen Tätern gegenüber. Schallerer hat sich schon einige Lügenmärchen anhören müssen. Für außenstehende wohl am schwersten nachvollziehbar, dass sich die Ermittler auf die Schilderungen und das Niveau ihres Gegenübers einlassen müssen. Das hilft beim Verhör an die Aussage heranzukommen. „Ich bin immer an der Sache orientiert. Mein Ziel ist es den Fall zu klären. Meine Emotionen da mit einspielen zu lassen, wäre eher kontraproduktiv und würde der Sache alles, nur nicht dienen,“ beschreibt der Kommissariatsleiter seine Arbeit. Kalt lassen Mordfälle Manfred Schallerer und seine Kollegen trotzdem nicht. Sie sehen durchaus die Schicksale, die hinter jedem einzelnen Fall stehen. Aber beeinflussen lassen dürfen sie sich davon nicht.