Hexenverfolgung in Eichstätt: Aufarbeitung eines dunklen Kapitels

Eichstätt (intv) Über vier Jahrhunderte hinweg sind allein im damaligen Hochstift Eichstätt 230 Personen der Hexerei beschuldigt und bei lebendigem Leib verbrannt worden. Eichstätt damit eines der Zentren der Hexenverfolgung im damaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Ein dunkles Kapitel der Stadt und der Katholischen Kirche. In anderen Hochburgen wie Bamberg und Würzburg hat man längst begonnen, die Untaten aufzuarbeiten. Das Bistum Eichstätt zieht jetzt nach, mit einem wissenschaftlichen Symposium.

Das Bistum beauftragte dazu den Diözesangeschichtsverein, Fachleute zu dem Thema Hexenverfolgung zu einem zweitägigen Symposium zusammenzubringen. Von den 230 Opfern starben die meisten unter Fürstbischof Johann Christoph von Westerstetten. „Das Seelenheil steht an erster Stelle, das irdische Wohl muss da zurücktreten. Und wenn der Mensch sich auf Erden falsch verhält, bei der Hexenverfolgung war das Todesurteil dann gefällt, wenn der Angeklagte zugegeben hat, sich von Gott abgewandt zu haben und sich dem Teufel angeschlossen zu haben“, erklärt Dr. Klaus Littger, stellvertretender Vorsitzender des Diözesangeschichtsvereins.

Im Sommer 2017 lenkt der Künstler Wolfram Kastner die Aufmerksamkeit der Eichstätter auf das Thema mit einer gut besuchten Ausstellung in der ehemaligen Johanniskirche. Fast zeitgleich wählt der Eichstätter Buchautor Richard Auer das dunkle Kapitel für seinen sechsten Regionalkrimi „Altmühlhexen“. „Das Thema schwelt in Eichstätt schon eine ganze Weile, in anderen Diözesen wird das Thema schon viel stärker aufbereitet als in Eichstätt. Das dunkle Kapitel bekommt endlich die Aufmerksamkeit, die es schon lange verdient hat, die Kirche kann da jetzt nicht mehr dran vorbei“, so Auer. Der Autor fordert ein Mahnmal mitten in der Stadt, an dem sowohl Einheimische als auch Touristen nicht einfach vorbeikommen. Der Diözesangeschichtsverein schlägt dagegen zur Eröffnung des Symposiums vor, den Weg der Verurteilten vom Rathaus hoch zum Galgenberg als eine Art Kreuzweg auszubauen. Bischof Hanke wünscht sich eine Weiterverfolgung des Themas, auch nach dem Symposium. Für ihn eine späte Gerechtigkeit für die zahlreichen Opfer der Hexenverfolgung in Eichstätt.