Haderthauer kandidiert nicht mehr für den Landtag

Ingolstadt (intv) Christine Haderthauer wird nächstes Jahr nicht mehr um einen Sitz im Bayerischen Landtag kandidieren. Das hat Haderthauer heute Nachmittag in einem zwei Seiten langen offenen Brief an den Ingolstädter CSU Kreisverband mitgeteilt. Darin schreibt sie, dass sie nach über 15 Jahren hauptberuflich Politik im Hochgeschwindigkeitszug neue Herausforderungen suche. Welche das sein werden, wird sie erst nach dem Ende ihres Mandats 2018 entscheiden. Haderthauer will aber weiterhin in der CSU bleiben und Stadträtin in Ingolstadt. Haderthauer war wegen der so genannten Modellauto Affäre 2014 von ihrem Amt als Chefin der Bayerischen Staatskanzlei zurückgetreten.

Hier Haderthauers Brief im Wortlaut:

Liebe Parteifreunde der CSU Ingolstadt
Seit dem Oktober 2003 vertrete ich Ingolstadt als Direktabgeordnete im Bayerischen Landtag.
In dieser Zeit hatte ich die Möglichkeit etliche politische Stationen zu erleben und mehrere hohe politische Ämter auszuüben. Auch heutzutage, wo alles schnelllebiger ist, war mit einem politischen Weg, der mich innerhalb von nur zehn Jahren über die Ämter der CSU-Generalsekretärin, der Staatsministerin für Arbeit, Familie und Soziales und der Staatskanzleiministerin führen würde, nie zu rechnen. Das waren interessante und sehr ereignisreiche Jahre, mit vielen politischen und persönlichen Höhepunkten und vielen Erfolgen, sowohl für meine Heimatstadt Ingolstadt als auch für Bayern.
Für mich war das nicht nur eine hochspannende und meist auch erfüllende Zeit sondern auch eine, in die ich unter Zurückstellung vieler privater Interessen und familiärer Belange all meine Kraft und Energie investiert habe.
Die Umstände, die 2014 meinen Rücktritt erzwungen haben, sind ja bekannt. Damals habt ihr, meine Heimat-CSU, mich mit großer Solidarität begleitet. Dafür bin ich sehr dankbar. Dies gilt umso mehr, als mir sehr bewusst ist, dass ich nie eine „100- Prozent-Zustimmung-Person“ gewesen bin. Auch in den Teilen der CSU-Ingolstadt, die mit der „gschnappigen zugroasten Preißin“, die sozusagen im Quereinstieg kam ohne sich vorher hochgedient zu haben, auch in den guten Zeiten nie so richtig warm wurden, gab es so viel Disziplin, dass man in schlechten Zeiten professionelle Geschlossenheit hat walten lassen. Danke dafür, das empfinde ich als nicht selbstverständlich und als menschlich höchst respektabel.
Nach meinem Rücktritt vor drei Jahren hatte ich bewusst Gedanken an meine politische Zukunft ausgeklammert und mich voll auf die Weiterführung meines Mandats für Ingolstadt konzentriert. Keinesfalls wollte ich unter dem belastenden Eindruck der Geschehnisse, eine voreilige Entscheidung treffen, die ich hinterher bereuen würde.
Daher habe ich meine Stimmkreisarbeit für Ingolstadt engagiert fortgeführt, mein Landtagsbüro neu aufgestellt und mich tatkräftig in der Ausschussarbeit im Landtag eingebracht. Es bestand ja ohnehin Einigkeit, dass ich als einzige Landtagsabgeordnete in Ingolstadt das Mandat jedenfalls zu Ende führen sollte.
So habe ich erst zu Beginn dieses Jahres damit begonnen, in mich hinein zu hören und ernsthaft zu überlegen, ob mich eine Fortsetzung der politischen Tätigkeit im Landtag noch genauso erfüllen würde, wie vor 15 Jahren.
Das Ergebnis: Mit den Jahren der verschiedenen politischen Stationen und den ausgeübten Ämtern habe ich mich verändert und weiterentwickelt. Nach über 15 Jahren Anwaltstätigkeit und dann 15 Jahren hauptberuflich „Politik im Höchstgeschwindigkeitszug“ ist für mich die Zeit jetzt reif noch einmal etwas anderes zu machen, neue Herausforderungen zu suchen.
Welche das sein werden, weiß ich noch nicht, eine Entscheidung zwischen möglichen Optionen werde ich erst vornehmen, wenn ich im September 2018 das Landtagsmandat beendet habe. Für die Landtagswahl 2018 werde ich mich auf jeden Fall nicht mehr aufstellen lassen.
Wir ihr wisst, hatten wir als CSU-Ingolstadt festgelegt, dass die Überlegungen der personellen Aufstellung für die Bezirkstags- und Landtagswahl im nächsten Jahr erst nach der Bundestagswahl angestellt werden. Alles andere hätte mitten im Wahlkampf unnötig Unruhe in die Partei gebracht. Jetzt aber war mir die Information an Euch zum frühestmöglichen Zeitpunkt, direkt nach der Bundestagswahl, wichtig. So hat die CSU Ingolstadt genügend Zeit um den Prozess einer personellen Neuaufstellung einzuleiten.
Meine Entscheidung ist allein von persönlichen Interessen und Gründen getragen. Daher seht mir bitte nach, dass ich hierzu nicht die innerparteiliche Meinungsbildung gesucht oder abgewartet habe und auch nicht im Vorfeld mit dem einen oder anderen, der es evtl. erwartet und verdient hätte, gesprochen habe. Egal wie das Ergebnis solcher Gespräche gewesen wäre, es hätte an meiner Entscheidung nichts geändert.
Ich bleibe selbstverständlich auch nach Beendigung des Mandats im September 2018 meiner Partei, der CSU, treu. Auch mein ehrenamtliches Stadtratsmandat hier in Ingolstadt ist von dieser Entscheidung nicht betroffen.
Mit herzlichem Gruß,