Geiselnehmer-Prozess: Angehörige sagen aus

Ingolstadt (intv) Es sind Bilder, die wohl viele so schnell nicht mehr vergessen werden. Bilder, die bei den Betroffenen heute noch Schlafstörungen oder Weinkrämpfe auflösen. Am 19. August vergangenen Jahres hat Sebastian Q. das Ingolstädter Rathaus gestürmt und vier Geiseln genommen, darunter Bürgermeister Sepp Mißlbeck. Heute haben vor dem Landgericht Ingolstadt mehrere Zeugen ausgesagt, darunter der Sohn des Bürgermeisters. „Du kannst jetzt nicht mit ihm sprechen, ich spiel gerade mit ihm“ – das habe der Angeklagte am Telefon verkündet, als der Sohn von Bürgermeister Sepp Mißlbeck am Tag der Geiselnahme angerufen hatte. Er gab heute bei seiner Vernehmung an, dass sein Vater auch heute noch mit den Folgen der Geiselnahme zu kämpfen hat, derzeit leide er an einer Magenkolik. Ähnlich gehe es Tatjana S., auf die es der mutmaßliche Täter abgesehen hatte. Ihr Lebensgefährte bestätigte heute dem Gericht, dass sie nach wie vor Angstzustände habe, nicht schlafen könne. Der Angeklagte Sebastian Q. hörte den Ausführungen der Zeugen aufmerksam zu, dabei wirkte er beinahe amüsiert. Hochgradig auffällig – so haben auch der Landgerichtsarzt sowie ein Bewährungshelfer und der Polizeivizepräsident sein Verhalten beschrieben. Sebastian Q. habe Stimmungsschwankungen, die von albern über aggressiv bis hin zu gefährlich reichen. Die Geiselnahme sei aber kein spontaner Einfall gewesen, sondern eine lang geplante Tat, wie der Landgerichtsarzt heute bestätigte. Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt, dann werden Bürgermeister Sepp Mißlbeck und weitere Zeugen aussagen.