Gastfamilien für minderjährige Flüchtlinge gesucht

Neuburg/Schrobenhausen (intv) Die Zahl der Asylbewerber in Bayern steigt weiter an: Immer noch strömen Flüchtlinge aus Afrika, Afghanistan oder Syrien in den Freistaat. Viele sind erwachsen, haben ihre Kinder dabei. Oftmals kommen aber auch unter 18-jährige alleine nach Deutschland, weil sie ihre Eltern und Familie verloren oder in der Heimat zurückgelassen haben. Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen möchte sich diesen jungen Menschen nun mit einem ganz besonderen Projekt annehmen.

„Wir suchen Gastfamilien für meist männliche Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren“, erklärt Gerda Reitberger vom Pflegekinderdienst des Jugendamtes. Die Aufnahme in einem familiären Kontext solle die Integration erleichtern und die ausländischen Jugendlichen zu selbstverantwortlichen Erwachsenen reifen lassen, so die Diplom-Sozialpädagogin. In anderen Regionen Bayerns wird das Konzept bereits erprobt.

Neues Zuhause für vertriebene Teenager

Idealerweise sollte in einer Pflegefamilie bereits Erziehungserfahrung vorhanden sein – sprich: eigene Kinder oder Jugendliche. Diese könnten auch die Anknüpfungspunkte in Schule, Sportvereinen oder bei Freunden schaffen. Zudem muss genügend Platz vorhanden sein, zum Beispiel im Rahmen eines eigenen Zimmers. Auch Offenheit und Neugier auf fremde Kulturen und Religionen sollten nicht fehlen, zudem muss die finanzielle Situation der Familie gesichert sein. Die Kosten für den Lebensunterhalt werden jedoch über ein monatliches Pflegegeld erstattet. Auch erhält jeder jugendliche Asylsuchende einen amtlichen Vormund, der für rechtliche Dinge zuständig ist und auch den Kontakt mit Behörden oder der Regierung von Oberbayern hält. Zwei bis drei Jahre könnte eine derartige „Adoption auf Zeit“ andauern. Interessierte Familien können sich für weitere Informationen oder eine Beratung an den Pflegekinderdienst des Kreisjugendamtes unter Telefon 08431/57-337 wenden.

Diskussion um Unterbringung von Asylbewerbern

Auch für erwachsene Asylsuchende und Familien werden weiterhin geeignete Unterkünfte im Landkreis gesucht. Intensive Gespräche gab es in den letzten Wochen zwischen Landratsamt und sämtlichen Kommunen. „Das am Weitesten fortgeschrittene Projekt ist derzeit in Schrobenhausen“, so Roland Weingut, Leiter des Fachbereichs Soziale Angelegenheiten. Hier plane man ein Containerdorf für rund 100 Asylbewerber auf einem städtischen Gelände in der Bürgermeister-Götz-Straße. „Wir erarbeiten gerade einen Bebauungsplan“, sagt Bürgermeister Karlheinz Stephan (CSU). „Bereits im Mai könnte der im Stadtrat abgesegnet werden.“

Die Containerlösung stößt jedoch auf Widerstand: Der Verein Offene Türen möchte Asylbewerber besser in die Bevölkerung integriert sehen und fordert eine dezentrale Unterbringung. „Es gäbe genügend Alternativen“, so Vereinsvorstand Joachim Siegl; er befürchtet eine Ghettobildung am Stadtrand. „Überall, wo man große Einheiten schafft, ist das geradezu einladend für Leute, die nur Blödsinn im Kopf haben“, spielt Siegl auf mögliche fremdenfeindliche Aktivitäten an.

Termine zum Thema Asyl

Am 24. April soll ein „Runder Tisch Asyl“ in Schrobenhausen weitere Details klären. Auch das Thema Gastfamilien für Jugendliche könnte dabei ein Thema sein. Für den 2. Mai plant der Verein Offene Türen zusammen mit der Kolpingfamilie und dem Diözesanverband einen Ausbildungsworkshop zum ehrenamtlichen Asylbetreuer. Anmeldungen nimmt der Verein per E-Mail entgegen.