Für ein barrierefreies Neuburg

Neuburg a.d. Donau (intv) Brigitta Graf dreht täglich ihre Runde durch die Untere Altstadt von Neuburg. Seit 34 Jahren wohnt sie hier, die Stadt kennt sie wie ihre Westentasche. Und auch deren Stolperfallen. Brigitta Graf muss am Langstock gehen, aufgrund einer Optikusatrophie schwinden seit Jahren ihre Sehnerven. Heute besitzt sie nur noch drei Prozent ihrer Sehstärke, kann nur noch Schattierungen erkennen. Gefährliche Ecken in Neuburg gibt es ihrer Ansicht nach zu Hauf: „Es gibt einige Stellen, Hindernisse, die man schon umgehen kann, wenn man sie kennt, aber Verkehrsschilder auf Kopfhöhe, da kann man als Blinder leicht dagegen laufen. Was sehr störend ist, sind die Aufsteller, Tische, Stühle, die auf den Gehwegen stehen. Wir haben leider keine Fußgängerzone in der Stadt, da muss man sich auf den Gehweg begnügen, der nicht selten ziemlich eng ist. Da bleibt man dann oftmals hängen“, berichtet Brigitta Graf.

Ihre Erfahrungen teilt sie auch den Stadträten mit. Auf Antrag der SPD, die fordert ein Konzept, um bei künftigen Planungen explizit an Barrierefreiheit zu denken. Dass ein Bordstein für einen Rollstuhlfahrer oftmals ein schier unüberwindbares Hindernis oder ein Fahrradständer eine Stolperfalle für Sehbehinderte sein kann, ist vielen im Alltag nicht bewusst. Das ist auch den Neuburger Stadträten klar geworden. Deshalb gestern das Thema Barrierefreiheit im Stadtrat aus Sicht zweier Menschen mit Handicap. Auch Bernhard Reiter kommt zur Stadtratssitzung. Er arbeitet im Harmoniegebäude. Den Weg über das Kopfsteinpflaster hinüber zum Rathaus kann er nicht ohne fremde Hilfe bewältigen, denn Reiter sitzt im Rollstuhl.

Hier will der OB heuer Abhilfe schaffen. „Wir haben nun einmal eine historische Altstadt, wo Barrierefreiheit schier unmöglich ist. Wir versuchen es heuer, wir haben schon die Pläne für den Vorbereich des Rathauses und der Hofkirche, da wollen wir ja im Rahmen des städtebaulichen Denkmalschutzes das ganz flach gestalten, damit eben Rollstuhlfahrer vom Auto aus direkt in die Hofkirche oder ins Rathaus kommen können“, so Oberbürgermeister Bernhard Gmehling.

Laut Graf und Reiter sind die jüngsten städtischen Baumaßnahmen gelungen. Es gibt Signalampeln an einigen Kreuzungen und ein Blindenleitsystem am Oswaldplatz. „Uns sind heute Abend die Augen aufgegangen“, so ein Stadtratsmitglied. Dem Antrag der SPD, ein Konzept für barrierefreies Planen und Bauen zu erstellen, wurde einstimmig zugestimmt: „Dieses ‚ich senke da einen Bordstein ab, oder ich stell da ein Schild weg‘, das ist zu kurz gegriffen. Die Stadt muss ihre Hausaufgaben machen in Sachen Barrierefreiheit, andere Städte sind wesentlich weiter. Es gibt einen Behindertenbeauftragten des Landratsamtes und eigentlich muss man diese Leute gleich bei den Planungen mit einbeziehen“, so SPD-Stadtrat Heinz Schafferhans.

Ob Obere oder Unter Altstadt – für Brigitta Graf wird auch weiterhin jeder Aufsteller, Poller und Blumentopf ein Hindernis darstellen. Den Langstock wird sie schon bald zur Seite legen, denn in ein paar Tagen wird ihr ein Blindenhund nicht mehr von der Seite weichen.