Fremde werden Freunde: Workshop für Asylbetreuer

Schrobenhausen (intv) Rund 100 Flüchtlinge aus Krisengebieten wie Syrien, Somalia oder Afghanistan könnten in diesem Jahr nach Schrobenhausen kommen und sollen dort in einem Containerdorf wohnen. Während bei Stadt und Landkreis die Planungen für Unterbringung und Versorgung der Menschen laufen, wollen sich viele Bürger ebenfalls engagieren. Die Schrobenhausener Kolpingfamilie und der Verein Offene Türen hatten am Wochenende zu einem Workshop eingeladen: „Fremde werden Freunde“.

Als Referentinnen waren Mitarbeiter des Augsburger Kolpingwerkes gekommen, die derartige Seminare bereits oft durchgeführt haben und auch über praktische Erfahrung beim Thema Flüchtlingsbegleitung verfügen. Darum mangelte es auch nicht an Beispielen für mögliche Tätigkeiten. „In diesen Asylunterkünften steht nicht mehr als ein Schrank, ein Tisch und ein Bett“, so Mechthild Gerbig, stellvertretende Diözesanvorsitzende des Kolpingwerks. Es gehe also darum, die Umgebung wohnlich zu gestalten, mit den Menschen Behörden- oder Arztgänge zu erledigen oder beim Thema Sprache lernen unterstützend tätig zu werden.

Wie weit das gehen soll oder auch nicht, wo also die persönlichen Grenzen liegen, das müsse jeder Helfer für sich selber entscheiden. Dies wurde mit Rollenspielen aus der Erlebnispädagogik erprobt. „Würden Sie einem Flüchtling Geld leihen, wenn er über keine Mittel verfügt?“ oder „Sind Sie rund um die Uhr telefonisch erreichbar und geben Ihre Handynummer heraus?“, so lauteten einige Fragen, mit denen sich die Teilnehmer beschäftigen sollten.

Viele der freiwilligen Helfer hatten bereits konkrete Ideen, in welchen Bereichen sie tätig werden wollen. „Ich bin Erzieherin und möchte vor allem Kinder und Jugendliche unterstützen“, sagt Elisabeth Schüll. Für Denis Postel wäre eine koordinierende Rolle denkbar, „denn viele Vereine und Organisationen von Schrobenhausen wollen dahingehend tätig werden“. Heidi Waldschmitt vom Eine-Welt-Laden würde bei Hausaufgaben oder Deutschkurs-Übungen helfen.

Mehr Öffentlichkeitsarbeit erwünscht

Bis es soweit ist, kann es jedoch noch dauern. Mitte des Jahres rechnet die Stadt mit der Ankunft der ersten Flüchtlinge. Barbara Fieger vom Leitungsteam der Kolpingfamilie wünscht sich dahingehend noch mehr öffentliche Aufklärungsarbeit der Stadt- und Landkreisverwaltungen. „Ich bemerke Ängste in der Bevölkerung, die müssen im Vorfeld besprochen werden. Nicht erst, wenn es akut ist“, so Fieger.

Wer sich auch vorstellen kann, ehrenamtlich als Asylbetreuer tätig zu werden, erhält bei der Kolpingfamilie Schrobenhausen oder beim Verein Offene Türen nähere Informationen. Die Seminarangebote des Diözesanverbandes Augsburg zum Thema Fremde werden Freunde stehen auch weiteren Kolpingsfamilien in Bayern zur Verfügung.