Freiberufliche Hebammen stehen vor dem beruflichen Aus

Ingolstadt (intv) Es ist ein beruhigendes Gefühl, nach dem Geburtsstress betreut zu werden, zuhause, individuell und liebevoll, verbunden mit einem umfassenden KnowHow über Geburt, und die ersten Tage danach. Die Nachsorge-Dienste einer Hebamme will keine junge Mutter missen, allein am 01.07.2015 könnte es für viele freiberufliche Hebammen damit zu Ende sein. Denn zu diesem Zeitpunkt müssen sie dem Bund Deutscher Hebammen beigetreten sein.

Der ist eigentlich nur für die angestelllten Hebammen zuständig, bietet von diesem Zeitpunkt an ausschließlich Versicherungen für Hebammen an, ohne Beitritt also keine Versicherung und ohne Versicherung kein Recht zur Berufsausübung.

„Friß Vogel oder stirb“ nennt das die Schrobenhausener Hebamme Christiane Liebe-Baader den Kompromiss mit dem die Politik eigentlich die freien Hebammen entlasten wollte, die sahen bislang die hohen Berufshaftpflicht-Tarife (ca. 6000 Euro pro Jahr) als Berufsrisiko an, jetzt sind die Weichen zu einem Zwei-Klassen- Beruf gestellt, denn die hohen Tarife bleiben ( selbige übernimmt bei den Angestellten die Arbeitgeber) zusätzlich müssen die freiberuflichen Hebammen auch 10 Jahre ohne versicherungsrelevante Vorfälle nachweisen.

„ Das kommt einem Berufsverbot gleich“ fürchtet Frau Liebe-Baader, denn die Mitgliedschaft im BDH dauert jeweils ein Jahr, weiteren Tariferhöhungen sind dann nicht ausgeschlossen.

Die Zahl der freien Hebammen wird nach dem 1.7.2015 drastisch abnehmen , junge Mütter bleiben dann weitgehend auf sich alleingestellt oder – so es die Berufsordnung zulässt- müssen Nachsorgedienste privat bezahlen. Letztendlich eine Mehrbelastung der jungen Mütter und ein Armutszeugnis für die deutsche Politik, die einen Traditionsberuf abwürgt und an anderer Stelle regelmäßig und lautstark den Rückgang der Geburtenraten in Deutschland bejammert.

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