Frau verbrüht Lebensgefährten mit heißem Wasser: Urteil im Mord-Prozess vor dem Landgericht Ingolstadt

Ingolstadt/Geisenfeld (intv) Aus wahnhafter Eifersucht hat eine Geisenfelderin ihren Lebengefährten mit 10 Liter kochend heißem Wasser verbrüht. Der Mann starb wenige Tage später an den Folgen seiner Verbrennungen. Seit vergangener Woche muss sich die 57-Jährige vor dem Landgericht für die im Oktober begangene Tat verantworten. Heute, den 30. Juli 2018, wurde kurz nach den Plädoyers schon das Urteil verkündet.

Vor den Plädoyers soll ein ärztliches Gutachten über das seelische Krankheitsbild der Angeklagten verlesen werden. Nach dem Antrag der Verteidigung, wird dabei die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Gut eineinhalb Stunden später folgen die Plädoyers. Die Überraschung: Beide Seiten, Staatsanwaltschaft und Verteidigung, sind sich bei ihren Anträgen einig – Freispruch wegen Schuldunfähigkeit. Auf Basis des ärztlichen Gutachtens konnte Anita Irma A. ihre Taten in der Mordnacht des 5. Oktober nicht mehr Steuern, wie Heike Linz-Höhne (Sprecherin Landgericht Ingolstadt) erklärt: „Sie befand sich in einem Eifersuchts- und Verfolgungwahn, in dem Ausmaß, dass sie gar nicht mehr anders konnte, als ihren Lebensgefärten für die in ihren und nur in ihren Augen bestehende Untreue ihres Lebensgefährten zu bestrafen und das hat sie dann auch getan. Sie hat damit eine Körperverletzung zur Überzeugung der Kammer begangen. Bestraft werden kann deswegen im Sinne einer Verurteilung aber nur wer eben auch schuldhaft gehandelt hat, nachdem das aber nicht der Fall war, wurde die Angeklagte frei gesprochen. Gleichzeitig ordnet der Richter an, dass die 57-jährige in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird. Es bestehe noch keine Krankheitseinsicht, kein stabiles soziales Umfeld weder berufliche Perspektiven. Außerdem stelle die Geisenfelderin eine Gefahr für die Außenwelt dar.

Eine weitere Besonderheit berichtet die Sprecherin des Landgericht Ingolstadt: „Ungewöhnlich an diesem Mord-Prozess war vielleicht, dass es überhaupt zur Mordanklage gekommen ist. In vergleichbaren Fällen, wenn die entsprechenden Sachverständigen Gutachten eher vorliegen, würde die Staatsanwaltschaft nur ein so genanntes Sicherungsverfahren einleiten und es würde gleich über die Frage der Unterbringung verhandelt werden.“

Um zweifelsfrei Wahnvorstellungen diagnostizieren und die daraus resultierende Schuldunfähigkeit bestätigen zu können hat der Gutachter viele Gespräche mit der Täterin führen müssen. Von einem Vorsatz ist keine Rede mehr. Die geständige Täterin hat nach der Tat sofort die Polizei aufgesucht und ständig beteuert sie hätte Rainer S. nur einen Denkzettel verpassen wollen.