Frau an der Schandsäule: Lebendiges Mittelalter in Geisenfeld

Geisenfeld (intv) Wenn der Hofstaat von München in Geisenfeld eintraf, hatte die Bevölkerung dort nichts mehr zu lachen. Bei den beliebten Jagden im Mittelalter mussten die einfachen Leute alles tun, damit sich die Herrschaft nach Herzenslust vergnügen konnte. Die Männer waren wochenlang damit beschäftigt, sämtliches Wild der umliegenden Wälder der Jagdgesellschaft zum Abschuss vor die Waffen zu treiben. Die anstehende Arbeit auf ihren eigenen Höfen blieb so lange liegen. Die Frauen mussten zubereiten, was die Speisekammern hergaben, freilich nur vom Feinsten. Schließlich waren die Gäste von Kurfürst Maximilian von Bayern anspruchsvoll – und im Umgang mit den niederen Ständen alles andere als zimperlich. Doch selbst wenn der Hauch der Geschichte die Stadt Geisenfeld wieder verlassen hatte, war das Leben im Mittelalter dort hart. Vor allem für die Menschen, denen die Gerichtsbarkeit etwas vorzuwerfen hatte. Die wurden mit allerlei grausamen Strafen bedacht. Immer in der Öffentlichkeit, um eine möglichst abschreckende Wirkung zu erzielen. Bevor die Demütigung begann, lockte Musik die Bevölkerung an den Markt- oder Kirchplatz, damit möglichst viele sehen konnten, wie die Delinquenten leiden mussten. Was man ihnen dabei alles antat, das zeigt der Stadtstorch. So nennt sich eine Gruppe von begeisterten Darstellern, die in historischen Gewändern und mit echten Waffen und Folterinstrumenten Szenen aus der Geschichte Geisenfelds spielen. So dass mancher Schauer über den Rücken läuft, ob der Erbarmungslosigkeit der mittelalterlichen Ständegesellschaft. Der Stadtstorch spielt seine authentischen Geschichten nicht nur bei öffentlichen Führungen, sondern auch auf Bestellung. Zum Beispiel bei Geburtstagen oder Klassentreffen. Kulturreferentin Henriette Staudter stellt im Rathaus gern den Kontakt her.