Franziska-Prozess: Einblicke in die Persönlichkeit des Angeklagten

Ingolstadt (intv) Was geht in einem Menschen vor, der ein 12-jähriges Mädchen sexuell missbraucht und anschließend brutal ermordet? Mit diesen und vielen weiteren Fragen müssen sich die Vorsitzenden des Landgerichts Ingolstadt derzeit auseinander setzen. Beim heutigen Prozesstag haben sie Einblicke in die Persönlichkeit des 27-Jährigen bekommen – denn es haben zwei Exfreundinnen von Stefan B. ausgesagt, wodurch das Bild von Stefan B. für Außenstehende immer klarer wurde. Martina E. war knapp zwei Jahre mit dem Angeklagten zusammen. Sie hat Stefan B. 2010 über das Internet kennen gelernt und ist wenige Wochen später eine Beziehung mit ihm eingegangen. Anfangs sei er nett und zärtlich gewesen – doch schon nach kurzer Zeit habe er ihr und ihrer Familie gedroht, sei aggressiv geworden und habe sie auch immer wieder gewürgt. Martina E. hat ihren Exfreund als krankhaft eifersüchtig beschrieben, er soll starke Stimmungsschwankungen gehabt haben und habe ihr auch des Öfteren gedroht, sich umzubringen. Während der zweijährigen Beziehung war Stefan B. außerdem ein knappes Jahr in Haft – wegen Besitzes kinderpornografischer Bilder. Das Verhältnis zu seiner Mutter beschreibt Martina E. als sehr schwierig und angespannt, sein Vater ist schon früh gestorben. 2012 ging die Beziehung schließlich in die Brüche, zwei Jahre später war Stefan B. dann kurz mit der 20-jährigen Lena B. zusammen – wieder über das Internet kennen gelernt. Sie hat heute ausgesagt, auch zum Tatzeitpunkt am 15. Februar 2014 noch mit dem Angeklagten zusammen gewesen zu sein. Stefan B. habe ihr sogar einen Tag später gestanden, etwas verbrochen zu haben – was genau, das blieb allerdings offen. Wichtig auch die Aussage eines Gutachters, der nach der Tat das Auto von Stefan B. untersucht hat. Er gab an, dass sich die Tür auf der Beifahrerseite trotz Zentralverriegelung öffnen ließe, der Knopf dafür sei allerdings nur schwer zu finden. Praktisch also keine Chance für die kleine Franziska, in ihrer Situation aus dem Auto zu fliehen. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt.