Fortsetzung im Franziska-Prozess

Ingolstadt (intv) Er hat einen sieben Jahre alten Sohn, um den er sich liebevoll gekümmert haben soll. Um so schwerer ist es zu verstehen, was Stefan B. zu der grausamen Tat im vergangenen Jahr bewegt hat. Vor Gericht hat er bereits gestanden, die 12-jährige Franziska aus Möckenlohe missbraucht und anschließend getötet zu haben. Beim heutigen Prozesstag wurden weitere Details aus der Vergangenheit des Angeklagten bekannt. Dabei hat unter anderem die Mutter des gemeinsamen Sohnes von Stefan B. ausgesagt. Ihre Aussage wirft ein anderes Licht auf den Angeklagten als bisher. Die Mutter des gemeinsamen Sohnes war ab 2005 gut vier Jahre lang mit Stefan B. Zusammen. Zwar war der 27-Jährige während der Beziehung für einige Monate wegen Schwarzfahrens im Gefängnis – danach habe er sich aber Arbeit gesucht und auch Verantwortung für den gemeinsamen Sohn gezeigt. Während der Aussage seiner Exfreundin zeigte der Angeklagte wie gewohnt keine Regung – als die Sprache allerdings auf seinen siebenjährigen Sohn fällt, scheint seine Haltung noch gekrümmter als sonst, einmal wischt er sich mit dem Handrücken über die Augen. Vollkommen widersprüchlich zur Aussage von Christina S. waren die Angaben einer Sozialpädagogin, die den Angeklagten zwischen 2005 und 2006 betreut hat. Sie hat den damals 18-Jährigen als unselbstständig und unreif wahrgenommen. Die Sozialpädagogin verglich Stefan B. mit einem Riesenbaby, er sei nicht in der Lage gewesen, ein selbstständiges Leben zu führen. Mitverantwortlich für dieses Verhalten ist wohl auch die Mutter, die ihren Sohn überbehütet habe. Sie habe aber auch tätliche und verbale Attacken von Stefan B. über sich ergehen lassen, ohne ihn jemals anzuzeigen. Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt, dann soll ein psychologisches Gutachten die Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten klären. Die Plädoyers werden voraussichtlich am Mittwoch gehalten.