Folge der Globalisierung: Über 300 Medikamente sind knapp

Ingolstadt (intv) Ibuprofen ist ein beliebtes Schmerzmittel. Allerdings machen seit mehreren Monaten Alarmmeldungen die Runde, dass Ibuprofen knapp ist. Der Grund dafür: Der Wirkstoff wird weltweit nur in sechs Fabriken hergestellt. Eine davon, die bei BASF in Deutschland ist ausgefallen. Ibuprofen ist aber nur ein Fall von hunderten.

Über 300 Medikamente sind zur Zeit nicht oder nur begrenzt lieferbar. Sie stehen auf einer Liste des Bundesamtes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Betroffen davon sind alle Gruppen, von Aspirin bis hin zu Zytostatika oder dringend benötigten Antibiotika. Ein großes Problem für Apotheker, wie Peter J. Linhardt, den Leiter der Apotheke im Klinikum Ingolstadt.

Er sagt, „Wenn wir bestimmte Basisantibiotika nicht bekommen, z.B. für Schwangere, die nur eine bestimmte Anzahl Medikemante bekommen dürfen oder für Kinder, für die nur bestimmte zugelassen sind, dann sagen wir, wir haben noch welche da, aber die Patienten die es nicht unbedingt brauchen werden durch ein anderes Medikament versorgt.“

Für Medikamente gelten hohe Qualitätsstandards. Das bedeutet, wenn in einer der wenigen Fabriken ein Problem bei der Produktion auftaucht, dann fehlt auf dem Markt dieser Wirkstoff. Das ist zum Beispiel beim häufig verordneten Blutdruckmedikament Valsartan passiert. Wegen einer Verunreinigung in der Produktion mussten die Apotheken das Medikament aus den Regalen räumen. Im Klinikum wurden Restbestände sogar auf den Stationen eingesammelt.

Doch die Globalisierung und die Konzentration auf wenige Produktionsstandorte ist nur ein Problem. Apotheker Linhardt schaut skeptisch auf das kommende Jahr. Dann tritt nämlich eine Fälschungsricjhtlinie der EU in Kraft. „Das bedeutet, jedes Medikament muss eine Seriennummer haben. Da könnte es sein, dass manche Hersteller den Aufwand scheuen und sich ganz zurückziehen.“

Die Medikamentenknappheit birgt aber noch ein ganz anderes Problem. Wenn die Apotheke einen Wirkstoff von verschiedenen Herstellern beziehen muss, dann sehen die Verpackungen auch unterschiedlich aus. Da kann es zu Verwechslungen kommen. Studien belegen, dass das auch bei hochqualifizierten Mitarbeitern geschehen kann.

Bei manchen Wirkstoffen ist zum Glück Besserung in Sicht. Der Pharmakonzern BASF hat angekündigt, Ibuprofen wieder in Deutschland herzustellen. Allerdings bis alle Genehmigungen vorliegen wird es noch vier Jahre dauern, ehe der Wirkstoff tatsächlich hergestellt wird.