„Flucht hat es immer gegeben“

Eichstätt (intv) Wie sich die Flüchtlingszahlen in den kommenden Jahren genau entwickeln, kann niemand sagen. Im Zentrum für Flucht und Migration in Eichstätt beschäftigen sich die Forscher aber genau mit solchen Fragen. Marlene Kukral hat bei der Geschäftsführerin Julia Devlin nachgefragt und festgestellt: Flucht und Migration ist kein neues Thema.

Über eine Million Flüchtlinge sind 2015 nach Deutschland gekommen, so viele wie noch nie. Die Zahlen sind seitdem wieder deutlich zurückgegangen. 2018 wurden unter 200.000 Asylanträge gestellt.

Das weniger Flüchtlinge nach Europa kommen, liegt an den Abkommen mit den Transitländern sagt Julia Devlin, die Geschäftsführerin des Zentrums für Flucht und Migration in Eichstätt. Das führe innenpolitisch zu einer Befriedung. Aber menschenrechtlich seien die Menschen auf der Flucht weiter ein Problem, auch wenn sie nicht mehr bei uns aufschlagen, so Devlin.

Laut Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen UNHCR sind über 68 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Die meisten davon sind Binnenvertriebene und verlassen den eigenen Kontinent nicht. Flüchtlinge, die nach Europa wollen, sollen an den Grenzen abgehalten werden. Dafür haben die Europäischen Länder verschiedene Abkommen geschlossen. Ein Abkommen mit der Türkei verhindert, dass die Menschen über das östliche Mittelmeer nach Griechenland kommen. Länder wie Lybien und Marokko sollen die Flüchtlinge davon abhalten, erst in ein Boot nach Europa zu steigen. Dafür bekommen die Länder Geld, Ausrüstungen und andere Hilfen.

Julia Devlin findet, die EU macht sich durch diese Abkommen politisch angreifbar. Gerade was die Situation der Menschenrechte in Ländern wie Lybien angehe. Es ist also ein Flüchtlingsstopp auf Zeit.

Ob die Abkommen aus welchen Gründen auch immer brechen, weiß niemand. Sicher ist, dass Menschen auch in Zukunft auf der Flucht sein werden. Die Ursachen dafür sind meist Krieg, der Klimawandel oder wirtschaftliche Misslagen. „Wenn man auf die Geschichte blickt, hat es Flucht und Migration schon immer gegeben“, erzählt Devlin. Das sei eine menschliche Konstante.

„Deutschland ist ein Einwanderungsland“, sagt Julia Devlin. Das müssen wir endlich akzeptieren. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Das Fremde ist uns eigentlich gar nicht fremd.