Fernkälte aus der Donau

Ingolstadt (intv) In den vergangenen heißen Tagen waren sie wieder unerlässlich: Ob im Büro oder im Supermarkt, die Klimaanlagen laufen bei tropischen Temperaturen auf Hochtouren. Doch die können sich auch als wahre Stromfresser entpuppen. Die Stadtwerke setzen da auf eine umweltfreundliche Alternative: Fernkälte. Zur Kühlung wird Donauwasser verwendet: „Wir entnehmen hier Donauwasser, um das Medium, das wir für die Gebäude benötigen, rückzukühlen und betreiben damit eine Absorptionskältemaschine. Normal wird Strom verwendet, um Kälte zu machen. Hier nimmt man das Prinzip, dass Wasser im Hohlvakuum bei niedrigen Temperaturen verdampft und somit quasi das Kühlmittel, das die Gebäude kühlt, herunterkühlt“, erklärt Hubert Stockmeier, Geschäftsführer Stadtwerke Netze GmbH.  Das Wasser wird der Donau zurückgeführt, dann jedoch circa drei Grad wärmer. Über Rohrleitungen wird die Fernkälte dann in die Gebäude geleitet. Aufwändige Lüftungsanlagen werden somit überflüssig. Gegenüber konventioneller Erzeugung spart das Fernkältekonzept neben Strom rund 140 Tonnen CO2 pro Jahr ein, das entspricht dem Stromverbrauchs von rund 100 Haushalten. Ebenso die Absorptionskältemaschine im 2. Untergeschoss der Tiefgarage wird mit klimafreundlicher Fernwärme betrieben. „Da haben wir natürlich in Ingolstadt den Vorteil, wir haben das Wärmeprojekt bereits umgesetzt im großen Wärmeverbund mit den Raffinerien. Hier haben wir eine dargebotene Wärme nur im Winter, wo wir sie zum Heizen brauchen, sondern auch im Sommer und genau dann können wir diese Wärme einsetzen, um hier die Gebäude zu kühlen“, führt Stockmeier aus. Nach Fertigstellung der 1. Ausbaustufe im Januar 2015 können der Erweiterungsbau der TH, die Audi Akademie und das neue Forschungszentrum Carissma auf dem Gießereigelände klimatisiert werden. Bis zum Endausbau im Sommer 2016 soll sich die eingespeise Kältemenge auf 2.400 Megawattstunden summieren. Stockmeier hofft, nach der Fertigstellung noch mehr Kunden überzeugen zu können, wie beispielsweise das Stadttheater oder das Hotel- und Kongresszentrum. Das Kältenetzwerk ist noch ausbaubar. Die Gesamtinvestition von rund 2,6 Millionen Euro soll sich schließlich mittelfristig auszahlen.