Erntestart: „Grünes Gold“ heuer Mangelware

Wolnzach (intv) Achtung an alle Autofahrer, die durch die Hallertau unterwegs sind. Autoreifen sind wieder in Gefahr Bekanntschaft mit sogenannten „Hopfenspikes“ zu machen. Denn ab heute regieren wieder die Hopfenbauern die Straßen in unserer schönen Holledau, die ihr grünes Gold zu den Pflückmaschinen bringen. Wir waren heute beim Erntestart mit von der Partie auf der Hopfenfarm der Familie Schapfl in Grubwinn bei Wolnzach.

Der würzige Geruch dringt aus der großen Lagerhalle. Es herrscht emsiges Treiben, seit heute in der früh um sechs sind alle auf den Beinen. Dass der Erntestart genau auf den heutigen Tag fällt, ist kein Zufall. „Wir verlassen uns da auch ein Stück weit auf die Tests, die unser Labor in Hüll durchführt. Die machen Biogeneseversuche, Trockensubstanzwerte und Alphauntersuchungen und da versuchen wir auch den idealen Startzeitpunkt zu finden“, erklärt Adolf Schapfl, Hopfenpflanzer mit Leib und Seele.

Wo früher noch die Dolden mühsam per Hand gezupft werden mussten, übernimmt heute die Pflückmaschine die Hauptarbeit. Doch die Rebstöcke müssen einzeln eingelegt werden. Erntehelfer füttern die Maschine und sorgen für Nachschub. Zweieinhalb Hektar ernten die Schapfls pro Tag, 50 bis 60 Mal Erntefahrten im Viertelstundentakt die nächsten dreieinhalb Wochen. In der intensiven Erntezeit ist Schapfls Team sieben Mann stark. Mit dazu hilft die ganze Familie, auch Sohn Max. Der will sich das mit dem Traumjob Hopfenpflanzer aber noch überlegen: „Ich weiß es noch gar nicht, ich bin da noch komplett offen. Man muss eigentlich fast jeden Tag beim Hopfen draußen sein und man hat fast nie frei. Es ist schon anstrengend.“

Die Schapfls sind bereits in der 4. Generation Hopfenpflanzer. Neben Hochalpha finden sich im Hopfengarten auch Flavoursorten wie Mandarina Bavaria, Huell Melon, Perle oder Magnum. Doch Sortenübergreifend ist bereits am ersten Tag eine bescheidene Hopfenernte absehbar. Hagel im Juni und die andauernde Hitzewelle im Hochsommer gaben dem „grünen Gold“ den Rest. Der Ruf nach Steuererleichterungen wird da schnell laut.“Da halte ich nix davon, weil wir die sowieso nicht kriegen. Was wir eventuell brauchen könnten, ist eine steuerfreie Rückstellung für drei Jahre, könnt ich mir vorstellen. Weil wir haben ja solche Extreme. Wir können ja keine Verlustverträge machen, wie das in der Industrie möglich ist. Und da wäre uns schon geholfen, wenn wir das zurückstellen könnten und später auflösen. Aber Steuergeschenke oder so, das gibt es sowieso nicht“, betont Schapfl, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Hopfenpflanzerverbands Hallertau ist.

Auswirkungen auf den Bierpreis sollten die Ernteausfälle allerdings nicht haben, so Schapfl. Bis das flüssige Gold dann endlich fließt, ist es aber noch ein weiter Weg. Die Pflückmaschine wird erst heute Abend um acht oder noch später endlich satt sein und dann geht die Arbeit am nächsten Tag um sechs Uhr früh wieder weiter.