Erinnerungen an die Zeit der Wende

Ingolstadt (intv) Am heutigen dritten Oktober feiern wir den Tag der Deutschen Einheit. Seit 1990 ist dies der Nationalfeiertag der Deutschen. Dass wir ihn nicht am neunten November, dem Tag des Mauerfalls feiern, hat einen einfachen Grund. Das Datum ist auch mit negativen historischen Ereignissen, wie der Reichspogromnacht, behaftet. So wurde der Tag zum Feiertag gekürt, an dem Deutschland offiziell auch politisch geeint war. Auch hier in der Region erinnern sich viele gerne an die aufregende Zeit zurück. So auch Altbürgermeister Hans Amler. Er war von 1984 bis 2002 Bürgermeister in Ingolstadt, also auch zur Zeit der Wende. In seiner Funktion als Kämmerer war er für die Auszahlung des Begrüßungsgeldes zuständig, das 100 DM entsprach. Auch wenn Ingolstadt relativ weit von der innerdeutschen Grenze entfernt war, so kamen doch sehr viele Ostdeutsche hierher, erinnert sich Amler. In der Stadt hatte sich ein Zweitaktgeruch verbreitet, wie zu besten DKW Zeiten. Am Rathausplatz hatte sich eine lange Schlange gebildet von Menschen, die das Begrüßungsgeld bekommen wollten, berichtet der Altbürgermeister. Es seien so viel gewesen, dass die Barreserven der Stadt fast auf null geschrumpft sind. Auch an den ersten Tag der Deutschen Einheit, den dritten Oktober 1990 erinnert sich Hans Amler gerne zurück. Damals hatte Ingolstadt extra das Herbstvolksfest verlängert, damit die offizielle Wiedervereinigung Deutschlands im Bierzelt gefeiert werden konnte. Kurz vor Mitternacht betrat Hans Amler damals die Bühne. Nicht nur die Musik, sondern auch die Menschen im Zelt verstummten, als er eine kleine Ansprache zu dem historischen Moment machte. Danach stimmten alle die Nationalhymne an. Für Hans Amler, so erzählte er uns, eines der ganz großen Erlebnisse in seinem Leben.

Die Lehrerin und Stadträtin Simona Rottenkolber erinnert sich auch gerne an die Zeit der Wende zurück. Sie hatte 1989 den ersten Schüler aus der ehemaligen DDR in ihrer Klasse. Dieser war über die ungarische Grenze in die BRD gekommen. Die heute 50-Jährige erinnert sich daran, wie dieser anfangs noch akkurat in der Schulbank saß, die Hände auf dem Tisch liegend. E habe aber nicht schnell gedauert, so Rottenkolber, da lümmelte er genauso in seiner Bank wie alle anderen.

Schnell versuchte er auch die Grenzen auszutesten, denn dass es in Deutschland nicht so streng zuging wie in der DDR, das hatte der Schüler schon bald herausgefunden. Er hätte vermutlich mehr strenge gebraucht, meint Simona Rottenkolber rückblickend.