Energiewende: Alle an einem Tisch

Oberhausen/Sinning (intv) „Mit der 10 H- Regel für Windkraft ist die Energiewende in Bayern so gut wie tot“, ein Satz, der bei der Podiumsdiskussion in der Sinninger Schlosswirtschaft gefallen ist. Der SPD-Ortsverband hatte zur Energiediskussion geladen, Bürgerinitiativen und sogar Vertreter des Netzbetreibers Amprion sind der Einladung gefolgt. „Es gibt kein alles oder nichts bei der Energiewende“, so Uwe Beckmeyer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Energie und Wirtschaft. Auch er machte seinen Standpunkt zur Energiewende klar, lieferte aber auch Alternativvorschläge bezüglich der geplanten Trassenführung.

Die Stromtrassenpläne quer durch Bayern erzeugten viel Gegenwind seitens der Bürger, dem sich Vertreter des Netzbetreibers in Oberhausen nun stellen. Nach Abschluss des Energiedialogs von Ministerin Ilse Aigner, will Amprion weiterhin mit Bürgern ins Gespräch kommen. Aigners Formel zu den erforderlichen Stromtrassen „Zwei minus X“ löst Amprion allerdings anders als die Bürgerinitiativen in Bayern: „Für uns muss das X gleich Null sein. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir die zwei Trassen brauchen, so wie sie im Netzentwicklungsplan von uns berechnet und dargelegt sind“, so Amprion-Sprecher Thomas Wiede.

Der Netzbetreiber musste vom Landrat persönlich herbe Kritik einstecken. Erst seit dem bayerischen Widerstand trete man in den Dialog, so Roland Weigert. „Angelogen hat man uns. Man hat selektiv informiert, man hat nicht die ganze Wahrheit gesagt und man ist auch, und das ist auch ein persönliches Gefühl von mir, arrogant über uns hinweggegangen.“

Worauf Peter Barth von Amprion Fehler in der Kommunikation einräumt.

Als Kompromiss zum Trassenverlauf führt Staatssekretär Uwe Beckmeyer die Möglichkeit der Erdverkabelung in Ballungsräumen ins Feld, zwar teurer, aber landschaftsschonend. Die Gleichstromtrasse hält auch er für notwendig: „Wenn ich mir anschaue, dass ich im Norden einen Stromüberschuss und mehr Wind habe und woanders ein Defizit, dann muss ich dafür sorgen, dass dieser Strom fließen kann. Das ist die Grundvoraussetzung von integrierten Netzen. Und die brauchen wir, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa“, so Beckmeyer.

Für Manfred Burzler, Sprecher der Bürgerinitiative Oberhausen, sei die autarke Stromeigenproduktion und Speicherung der Königsweg zur erfolgreichen Energiewende. „Bei uns daheim sind wir soweit, dass ich 85 Prozent meines Strombedarfs komplett selbst decken kann. Die Wärmeenergie, die Mobilitätsenergie vom Elektroauto und meinen Strombedarf. Wenn das jetzt jeder hier macht, dann sind wir fertig.“

Trotz energiebewussten Privathaushalten ist der Strombedarf der Industrie längst nicht gedeckt, so Peter Mießl von der Bürgerenergiegenossenschaft. „Das ist doch eine verlogene Diskussion, wenn ich sage: ‚das will ich nicht‘ und ‚das will ich nicht‘, aber ich sage nciht , was meine Alternative ist, außer dass ich ein paar Großkraftwerke bauen will, die aber meisten nur Strom erzeugen, aber keine Wärme. Das ist völlig ineffizient, teuer und fossil, das können wir nicht brauchen.“

Als Alternative zur zweiten Stromautobahn sind derzeit bei der Bayerischen Staatsregierung der Neubau und Betrieb von Gaskraftwerken im Gespräch. Diesen Überlegungen gibt der geplante Antrag auf Stilllegung des Irschinger Werks, eines der modernsten in Europa, einen gehörigen Dämpfer.

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