Ein Menschenleben gegen 2.686 Euro

Ingolstadt (intv) „Ich habe jemanden umgebracht, um meiner Tochter ein Eis kaufen zu können.“ Diesen Satz soll der Angeklagte Stefan S. bei Vernehmungen im Vorfeld des Strafprozesses gegenüber einem Polizeibeamten gesagt haben. Er wird beschuldigt, einen Pfaffenhofener Getränkemarktleiter erstochen zu haben. „Mord in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge“, so lautet die Anklage gegen den hochgradig spielsüchtigen Stefan S. Mit einem Schuldenberg und Unterhaltspflichten gegenüber seiner Tochter sei der Druck schließlich zu groß geworden, so Stefan S., er musste handeln. Bei seiner Vernehmung gab er an, den Getränkemarkt in Pfaffenhofen vergangenen Juli aufgesucht zu haben, um Geld aus der Kasse zu stehlen. Doch es kam alles anders: Laut Aussagen des Angeklagten soll der Marktleiter bei dem Überfall mit einem Messer auf ihn losgegangen sein, Stefan S. will aus Notwehr gehandelt haben. An die mehrfachen tödlichen Messerstiche in den Oberkörper des Opfers, daran kann er sich nicht erinnern. „Ich kann es selbst nicht glauben, was da geschehen sein soll“, so äußerte sich der 39-Jährige gegenüber einem Kripobeamten. Der sagte heute als Zeuge aus, Internetauswertungen zufolge soll der Angeklagte noch in der Tatnacht Begriffe wie Totschlag und Notwehr gegoogelt haben. Um dem Angeklagten aber wegen Mordes zu verurteilen, muss die Staatsanwaltschaft ein niederer Beweggrund zur Tat nachgeweisen werden, in diesem Fall Habgier. Denn nach der Tat fehlten die Tageseinnahmen des Getränkemarktes – ein Betrag von etwa 2.700 Euro.

Auf die Spur des mutmaßlichen Täters kam die Polizei durch versuchte EC-Kartenzahlungen des Angeklagten im Getränkemarkt in Pfaffenhofen am Tattag. Ebenso wurden die Telefonate des Angeklagten abgehört. Dabei fanden die Ermittler heraus, dass sich Stefan S. zur stationären Behandlung seiner Hand im Klinikum Großhadern befindet, ein Ergebnis des Kampfes im Getränkemarkt. Die Festnahme fand noch im Krankenzimmer statt. Die Beweisaufnahme wird sich vor Gericht noch einige Verhandlungstage hinziehen, das Urteil wird erst bis Ende Juli erwartet.