Dufter Brauch

Ingolstadt (intv) Der Duft von frischen Kräutern am Ingolstädter Donaustrand. Viele wissen gar nicht, dass es anlässlich Mariä Himmelfahrt einen uralten Brauch gibt. Die Heilige Maria wär nämlich als Heilerin bekannt und hat sich so mit allerlei Kräutern ausgekannt. „Es geht auf eine Legende zurück, dass um Marias Grab lauter Blumen und Kräuter gewachsen sind, die besonders gut geduftet haben. Als die Apostel das Grab nach drei Tagen leer aufgefunden haben, waren nur noch Rosen und Lilien darin.“, erklärt Christine Rottmair von der Labyrinthgruppe Ingolstadt.

Jedes Jahr vor Mariä Himmelfahrt treffen sich ein paar Frauen am Donaustrand, um gemeinsam Kräuter zu binden. Seit über 10 Jahren gibt es die Aktion schon, organisiert von der Labyrinthgruppe Ingolstadt. Die Kräuterbüschel werden dann am Feiertag in der Kirche geweiht.

„Normalerweise bindet man Würz- und Heilkräuter, Getreide und Blumen zu einem Büschel zusammen. Da es in der Stadt aber nicht so viele Blumen gibt, haben wir den Brauch ein bisschen verändert. Statt einem Büschel binden wir einen Kranz. Der Kreis steht als Zeichen für die Unendlichkeit und die Sachen, die wir rumbinden, stehen für die Natur. Das wird dem Brauch dann auch gerecht.“, lacht Rottmair.

Für die meisten Kräuterfrauen ist es ein festes Ritual. Sie binden unter anderem Lavendel, Salbei und Johanniskraut in ihren Kranz. Die Farben verblassen bei diesen Pflanzen nicht so schnell. Schließlich soll der Kranz eine ganze Weile halten. „Normalerweise hat man den Buschen in den Herrgottswinkel getan. Jetzt hängt man ihn ans Kreuz oder stellt ihn in einem hübschen Schälchen auf die Kommode. Das ist ja eine Art Schmuck und duftet ganz toll.“

Rund zehn Aktive umfasst die Labyrinthgruppe Ingolstadt. Sie kümmert sich vor allem um den Bürgergarten am Donaustrand, auch Labyrinth genannt. Der wurde anlässlich der Landesgartenschau vor 25 Jahren angelegt. Die Frauen würden sich freuen, wenn im nächsten Jahr noch ein paar mehr Kräuterfans vorbeischauen, um diesen alten Brauch weiterleben zu lassen.