Der Geist von Gerolfing

Ingolstadt (intv) In Berlin treffen sich am Abend die Regierungsparteien CDU, CSU und SPD zum Koalitionsausschuss. Der Asylstreit könnte in die nächste Runde gehen. Bundeskanzlerin Merkel will eine europäische Lösung, Bundesinnenminister Horst Seehofer will eine nationale. Er hält an seinem Plan fest, schon in der EU registrierte Flüchtlinge an der Grenze zurückzuweisen. Eigentlich wollte Seehofer gestern am Politischen Abend der CSU in Gerolfing teilnehmen. Am Ende war er da, obwohl er eigentlich nicht da war.

Die Gerolfinger CSUler stärken Horst Seehofer den Rücken. Im Asylstreit gibt es durchgehend Zustimmung für den Bundesinnenminister. Auch von Landtagspräsidentin Barbara Stamm. „Auch eine Bundeskanzlerin Angelika Merkel muss wissen, wie weit sie ihren eingeschlagenen Weg gehen kann, und wie weit nicht.“, sagte die Präsidentin. Die CSU wirkt angespannt – da wird aus Bundeskanzlerin Angela Merkel schnell Angelika.

Stamm stellte in ihrer Rede die christlichen Werte in den Vordergrund und blickte auf die Nachkriegszeit. Damals haben übrigens viele Flüchtlinge beim Wiederaufbau geholfen. Flüchtling und Flüchtling könne man nicht gleichsetzen, so sieht es Barbara Stamm.

Die CSU in Ingolstadt und Gerolfing spricht sich für einen Kompromiss im Asylstreit aus. Der könnte eine nationale Lösung vorsehen bis eine europäische gefunden ist. Ein Kompromiss, in dem Bayern – geht es nach der CSU – nicht zu kurz kommen darf, schon gar nicht in Zeiten des Landtagswahlkampfs. Der war gestern im Zelt mindestens genauso präsent, wie Horst Seehofer als Geist von Gerolfing.