Eltern fühlen sich übergangen: Katholischer Kindergarten soll in kommunale Trägerschaft übergehen

Denkendorf (intv) Seit der Gründung vor 68 Jahren befindet sich der Kindergarten Marienheim in Denkendorf unter katholischer Trägerschaft. Nun soll er in die Hände der Gemeinde übergeben werden. Bei den Eltern regt sich zum Teil heftiger Widerstand. Denn sie mussten von dem geplanten Vorhaben aus dem Pfarrboten erfahren. Weder Pfarrer noch Diözese haben das persönliche Gespräch mit den Betroffenen gesucht.

Aber die Eltern, Großeltern, Freunde und Förderer des Kindergartens Marienheim wollen es nicht einfach hinnehmen, dass die kirchliche Einrichtung in die Trägerschaft der Gemeinde Denkendorf übergehen soll. Mit Transparenten und einer Unterschriftenaktion wollen sie sich Gehör verschaffen. Die Eltern stört nicht nur die Tatsache, dass sich die Pfarrei zurückziehen will. Auch die Art und Weise der Kommunikation hat Elternbeiratsvorsitzende Diana Wittmann enttäuscht. „Wir mussten es im Pfarrboten lesen, das war wie ein Messerstich ins Herz.“

Im Pfarrboten vom 23. Februar heißt es: „… sehen sich die ehrenamtlichen Kirchenstiftungen durch die immer komplexeren gesetzlichen und verwaltungstechnischen Rahmenbedingungen vor große Probleme gestellt. Die Kirchenstiftungen Denkendorf und Zandt haben nach langen, intensiven und sich der großen Verantwortung bewussten Beratungen dazu entschlossen, die Trägerschaft des Kindergartens Zandt und des Kindergartens sowie der Kinderkrippe Denkendorf an die politische Gemeinde Denkendorf zu übergeben.“

Den Eltern ist wichtig, dass ihren Kindern weiter christliche Werte vermittelt werden. „Ich möchte, dass meine Kinder christlich erzogen werden. Wer kann mir garantieren, dass das in einem kommunalen Kindergarten auch so ist“, sorgt sich Diana Wittmann. „Ich habe bereits diesen Kindergarten besucht und auch meine Kinder sollen diese schöne Erfahrung ebenfalls machen“, meint Katja Harnrieder. Zwei ihrer drei Söhne besuchen den Kindergarten Marienheim.

Eltern wie langjährige Förderer des Kindergartens können den Schritt des Pfarrers nicht nach vollziehen. Sie sehen ihn,  als Vorsitzenden der Kirchenstiftungen Zandt und Denkendorf, als die treibende Kraft hinter den Übernahmeplänen.

Am Telefon zeigte sich Pfarrer Reiner Nagel überrascht über die Aufregung und Ablehnung seitens der Eltern. Es ändere sich allein die Trägerschaft. „Wir wollen mit dem Kindergarten der Gemeinde Denkendorf Synergieeffekte nutzen, zum Wohl der Kinder“, so Pfarrer Nagel gegenüber intv. Finanzielle Aspekte wären jedoch mit ausschlaggebend für die Übergabe an die Gemeinde.

Die zuständige Diözese Eichstätt will den Sachverhalt in Denkendorf nicht kommentieren. Derzeit laufen die Verhandlungen heißt es, entschieden sei aber noch nichts.

Die Eltern wollen sich weiter stark machen, um die Übernahme des katholischen Kindergartens durch die Gemeinde abzuwenden. Gerne würden sie sich mit den Kirchenvertretern an einen Tisch setzen, um zum Wohl der Kinder eine für beide Seiten tragbare und zukunftsfähige Lösung zu finden. Die Kirchenvertreter aber signalisieren bislang keine Gesprächsbereitschaft.

Die Denkendorfer könnten sich, um die Kirchenstiftung zu entlasten, ihren Kindergarten unter der Trägerschaft einer gemeinnützigen GmbH vorstellen. Gesellschafter könnte dann die Diözese sein. Dieses Modell wird derzeit in Ingolstadt in 17 Kindertageseinrichtungen sehr erfolgreich praktiziert, wie der zuständige Ordinariatsrat Rainer Kastl bestätigt.