Dem Borkenkäfer die Rinde entziehen

Walting (intv) Die Waldbauern ächzen, sie kommen mit der Arbeit nicht mehr hinterher.
Durch die andauernde Hitze hat der Borkenkäfer leichtes Spiel und beste Bedingungen. Ganze Waldabschnitte fallen ihm zum Opfer, Bäume müssen gefällt und schleunigst aus dem Wald gebracht werden – gerade jetzt zur Urlaubszeit in Sägewerk und Weiterverarbeitung. Eine Methode feiert Renaissance: Ein Harvester entfernt die Rinde der Bäume, sodass sie im Wald gelagert werden können. „Das Aggregat, ein sogenanntes Debarking Head, bringt den Stamm ins Drehen und durch die besondere Geometrie der Vorschubwalzen und der Messer wird eine Teilentrindung durchgeführt und wenn der Stamm dann ein zweites Mal durchläuft geht ungefähr 80-90 Prozent der Rinde ab“, erklärt Forstunternehmer Norbert Harrer.

Denn genau dort befindet sich der kleine Schädling. Borkenkäfer im Larvenstadium vertrocknen, bereits flugfähige Käfer werden bei dem Vorgang zu circa 70 Prozent zerdrückt. Der „Debarking Head“ wird im Landkreis Eichstätt sowohl im Staatsforst als auch im Privatwald bereits eingesetzt. „Diese neue Technologie wurde erst vor zwei Wochen auf der „Interforst“ in München vorgestellt und kontrovers diskutiert. Die Rinde verbleibt im Wald, ist das nährstoffreicher für den Waldboden, welche Möglichkeiten des Einsatzes gegen Käfer gibt es, wie ist es handlebar. Und allein durch die konventionelle Bearbeitung werden hier Insektizide nicht mehr notwendig,“ davon ist Tanja Schorer-Dremel (CSU) überzeugt. Sie hat seit November den Vorsitz der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald inne.

Parallel zur Praxis forschen Studenten der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf an der maschinellen Entrindung – es bestehe noch Optimierungsbedarf.
Die Forstbetriebsgemeinschaft Eichstätt setzt noch auf die herkömmliche Methode: Befallenes Holz so schnell wie möglich raus aus dem Wald.

Der Harvesterkopf – ein weiterer Bausteinim Kampf gegen den Borkenkäfer. Und doch – ein paar Prozent überleben bei dieser Methode. Und fliegen dann zu ihrem nächsten Opfer.