Büttenpredigt mit Biss

Ingolstadt (intv) Aus der Kirche St. Paulus an der Theodor-Heuss-Straße drang heute Vormittag nicht nur Chorgesang, wie wohl jeden Sonntag üblich, sondern auch schallendes Gelächter. Pfarrer Jürgen Habermann ist auch dieses Jahr in die Gestalt des Till Eulenspiegels geschlüpft und hat am heutigen Faschingssonntag der Politik bissig-süffisant die Leviten gelesen, bereits zum zweiten Mal im Beisein der Faschingsgesellschaft Narrwalla Ingolstadt und den amtierenden Prinzenpaaren. Auch heuer darf sich Pfarrer Jürgen Habermann wieder über vollbesetzte Kirchenbänke freuen. Die Besucher sind vor allem in seine Kirche gekommen, um die humorvolle und hintersinnige Büttenpredigt zu hören. Und auch in diesem Jahr spart Habermann nicht an gesellschaftskritischen Reimen:

Wir fragen, woran liegt denn das,

dass sich bei uns tut kaum etwas.

Warum haben wir euch eigentlich gewählt,

wenn unsere Meinung fast gar nichts zählt?

Vergeblich such ich im Stadtrat nach der Opposition,

hat Lösel sie eingelullt, nach ein paar Monaten schon?

In Ingolstadt kann Politik viel aussitzen,

die Stadträte geraten kaum ins Schwitzen.

Für die Narrwalla Ingolstadt hat Habermann sogar eine ganz besondere Begegnung eingefädelt: „Es grüßen Euch die Narren aus Mainz am Rhein, eine Überraschung ließen sie sich fallen ein. Die Mainzer Jäcken laden Sie und mich ein, im nächsten Jahr eine Prunkfremdensitzung anzuschauen, ist das nicht wunderbar?“, was mit viel Applaus seitens der Narrwalla quittiert wurde.

„Man kann sich in Deutschland auch über den Fasching verbinden“, verrät Habermann. Anstoß dieser Faschingsverbindung war ein Fokus-Ranking der wirtschaftsstärksten Landkreise, bei dem Ingolstadt nur auf Platz zwei landete. Um das zu unterstreichen, gab es zum Schluss noch eine Faschingskostprobe: Als Dank für die Einladung zu diesem besonderen Gottesdienst präsentierte die Narrwalla ihr Showtanzprogramm und schickte die Ökumene kurzerhand nach Mexiko.