Blutmehlfabrik soll Wohnparadies werden

Schrobenhausen (intv) Noch ist das Gelände eine brachliegende Industrieanlage, in den kommenden Jahren könnte hier jedoch ein florierender Wohn- und Geschäftspark entstehen: Die ehemalige Tierkörperbeseitigungsanstalt im Osten Mühlrieds soll in den kommenden Jahren umgestaltet und saniert werden. Der Schrobenhausener Stadtrat stimmte in seiner gestrigen Sitzung einstimmig für eine diesbezügliche Änderung des Flächennutzungsplans.

Morbider Charme

Alte Backsteinkamine, eingeschlagene Fensterscheiben und abgenutzte Fassaden zeugen von der längst vergangenen Nutzung des abgelegenen Gebäudekomplexes als Blutmehlfabrik. „Die Anlage ist seit Ende der 90-er Jahre stillgelegt, deshalb sind die nötigen Nutzungsgenehmigungen abgelaufen. Zudem muss das Gelände als Mischgebiet ausgewiesen und ein entsprechender Bebauungsplan aufgestellt werden“, erläuterte Stadtrat Peter Mießl (SPD), der zugleich mit seinem Architekturbüro die Planungen übernommen hat. Im Auftrag der Eigentümerfamilie Berndt-Pabst hat Mießl mögliche neue Nutzungsarten für das 2,5 Hektar große Gelände erarbeitet. „Auf etwa 3.000 Quadratmetern könnten 20 bis 25 Wohneinheiten entstehen, auch die Klärtürme wollen wir zu Wohntürmen umfunktionieren“, so der Planer. Zudem könnte sich auf weiteren 3.000 Quadratmetern Kleingewerbe oder Gastronomie ansiedeln. Das Freigelände soll als Ausgleichsfläche mit Streuobstwiesen, Gemüsegärten und ähnlichem genutzt werden.

„Wenn das Firmengelände zur Ruine wird, müssten wir früher oder später anderweitig Wohnflächen schaffen – das wäre ökologisch nicht sinnvoll“, untermauerte Mießl die Revitalisierungsabsichten. Dem schlossen sich die anderen Stadträte an. CSU-Ortsvorsitzender Josef Soier möchte gar Schrobenhausens Einwohnerzahl in den kommenden Jahren von 17.000 auf 20.000 ansteigen sehen – da sei jede Wohneinheit wichtig.

Modernisierung des Sitzungssystems

Im restlichen Verlauf der Sitzung stimmte das Gremium zudem für ein weiteres Vorhaben: In der kommenden Periode des europäischen LEADER-Förderprogramms will sich Schrobenhausen wieder mit möglichst vielen kreativen Projekten beteiligen. Außerdem liebäugelt der Stadtrat mit der Einführung eines neuen Ratsinformationssystems, das in der Sitzung vorgestellt wurde. Dies könne Sitzungsunterlagen sowohl den Politikern als auch der Bürgerschaft auf multimedialen Plattformen – etwa über Tablet oder Smartphone – zur Verfügung stellen. Über eine Einführung des etwa 10.000 EUR teuren Systems soll in einer der kommenden Stadtratssitzungen abgestimmt werden, die Bereitschaft war bei den Räten jedoch durchgängig erkennbar: „Wir leben schließlich im Jahr 2014“, kommentierte Günther Schalk (FW) den bisherigen enormen Papieraufwand.