Blut muss fließen: Undercover unter Nazis

Schrobenhausen (intv) Sie arbeiten verdeckt und mit subtilen Methoden: rechtsextremistische Gruppierungen, die radikales Gedankengut verbreiten wollen. Um vor allem junge Menschen für ihre Ideologien zu gewinnen, bedienen sie sich der Kraft der Musik. Konzerte einschlägiger Bands finden in ganz Deutschland statt, oft unbemerkt von Behörden. Gestern Abend bekamen die Bürger von Schrobenhausen mit dem Film Blut muss fließen erschreckende Einblicke in die Welt des Rechtsrock.

Auf Einladung des Vereins Offene Türen war der Filmemacher und Regisseur Peter Ohlendorf aus Freiburg ins Schrobenhausener Jugendzentrum Zoom gekommen. Ohlendorf portraitiert in seinem Dokumentarfilm einen Journalisten, der heute unter dem Decknamen Thomas Kuban lebt. Kuban war von 2003 bis 2011 mit versteckter Kamera in der Neonazi-Szene unterwegs und hat viele Konzerte in Deutschland und Europa besucht, bei denen einschlägige Bands auftreten. „Thomas wurde ziemlich schnell klar, dass es dort nicht darum geht, nur Bier zu trinken und krasse Lieder zu singen“, so Ohlendorf über die Partys. „Es ist vielmehr ein Auftrag, der erteilt wird – ein Terror, der von diesen Konzerten in die ganze Welt hinausgeht.“

Verfassungsfeindliche Songtexte

Ein Beispiel ist das titelgebende Lied „Blut“, das in dem Film mehrfach aufgegriffen wird. Im Text heißt es: „Blut muss fließen, knüppelhageldick, und wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik“. Der Song „Alter Mann von Spandau“, der von vielen Konzertbesuchern gegrölt und mit Hitlergruß flankiert wird, ist eine Lobeshymne auf Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß. In dem indizierten Lied „Das Reich kommt wieder“ der mittlerweile verbotenen Band „Landser“ wird gegen Juden, Türken und Schwarzafrikaner gehetzt.

Subtile Gefahr

Erhältlich sind rechtsextreme Songs heutzutage nicht nur auf Tonträgern, sondern vor allem übers Internet. „Sie wandern als MP3 von Handy zu Handy“, sagt Ohlendorf. Diese Erkenntnis teilt Joachim Siegl vom Verein Offene Türen: „Viele Jugendlichen hören Songs oder Bands, die sie als harmlos einstufen, und verkennen die Gefahr, die dahinter steckt“. Für den Verein ist Aufklärung deshalb wichtig. Unter dem Motto „Schrobenhausen ist bunt“ hatten die Mitglieder im März den öffentlichen Protest gegen den Aufmarsch der ProBayern-Bewegung organisiert. „Man sieht daran: Wenn Rechtsextremisten genügend Widerstand verspüren, ziehen sie sich zurück“.

„Blut muss fließen“ wird derzeit in vielen Städten Deutschlands gezeigt. Eine Terminliste findet man auf der Website der Autoren. Wer Fragen zum Thema Rechtsrock hat oder befürchtet, dass sein Kind von rechtsextremem Gedankengut beeinflusst wird, kann sich an die Regionale Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus für Oberbayern oder die Jugendorganisationen in der Region wenden.