„Betrunken wird sie zur Kampfmaschine“: Sieben Jahre und zehn Monate Haft für Totschlag

Ingolstadt (intv) Heute ist vor dem Ingolstädter Landgericht wieder einmal deutlich geworden, wohin die Alkoholsucht führen kann. Mit etwa drei Promille soll die gebürtige Neuburgerin Nicole M. einen 51-Jährigen in seiner Wohnung in Reichertshofen nach unkontrollierter Gewalteinwirkung getötet haben. Sie habe unter anderem mit einem abgebrochenen Weißbierglas auf ihr Opfer eingeschlagen, nachdem ihr Bekannter sie sexuell bedrängt haben soll.Heute wurde sie wegen Totschlags verurteilt.

Sieben Jahre und zehn Monate Haft lautet das Urteil von Richter Thomas Denz. Darüber hinaus soll die Angeklagte in einer Entzugsklinik untergebracht werden. Denn ihr Zündstoff sei der Alkohol, so Denz in seiner Urteilsbegründung. Habe Sie getrunken, werde die zierliche Frau auf der Anklagebank zur hochaggressiven Kampfmaschine. So wie am 13. Mai 2014, als sie ihren Bekannten Albert I. mehr als 80 Verletzungen zufügte. Stumpfe Gewalt gegen Kopf und Hals waren schließlich die Todesursache.

Die Schuldfähigkeit der Angeklagten sei unbestritten: „Die Angeklagte ist erheblich alkoholkrank über viele Jahre hinweg. Sie war bei der Tat eingeschränkt schuldfähig, aufgrund der hohen Alkoholisierung um die drei Promille, die aber bei der Angeklagten keinesweg zu einem völligen Wegfall der Schuld führte, sondern punktuell zu einer Minderung ihrer Schuldfähigkeit“, erklärt Sibylle Dworazik, Präsidentin des Landgerichts Ingolstadt gegenüber intv.

Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre Haft gefordert, die Verteidiger Grasel und Borchert sahen einen minderschweren Fall und plädierten auf fünf Jahre. Dennoch sind die Rechtsanwälte mit dem Urteil zufrieden: „Ich denke, die Begründung des Gerichts ist durchaus nachvollziehbar. Damit können wir leben. Die Mandantin hat die Möglichkeit im Rahmen der Therapie ihre Alkoholproblematik zu bekämpfen und das ist, denke ich, das wichtigste in diesem Verfahren“, so Rechtsanwalt Mathias Grasel.

Besonders tragisch: Die 40-Jährige ist diplomierte Kunsthistorikerin, mit einem IQ von 126 hochintelligent. „Durch Schicksalsschläge kam sie vom Weg ab, hin zum Alkohol“, so Dworazik. Richter Thomas Denz legte der Angeklagten ans Herz, die Zeit in der Entzugsklinik zu nutzen und ihre Kraft für einen Neuanfang zu bündeln.