Berichte, Fotos und Relikte von der Front

Schrobenhausen/Karlshuld (intv) Heute vor 100 Jahren wütete er bereits drei Monate lang, der Erste Weltkrieg. Die Siegesgewissheit und Euphorie, mit der viele deutsche Soldaten in die Schlachten gezogen waren, schlug um in Hoffnungslosigkeit. Denn schon nach einem Vierteljahr gab es verheerende Verluste. Auch in Schrobenhausen und im Donaumoos haben sich die Bürger dieses Jahr ausgiebig mit ihrer Geschichte beschäftigt. Eine Ausstellung und ein umfangreiches Buch zeugen von den Auswirkungen des Krieges auf Soldaten und Zuhausegebliebene.

Schrobenhausener im Ersten Großen Krieg

Vier Jahre lang hat Kreisheimatpfleger Bernhard Rödig recherchiert – in Briefen, privaten Nachlässen und dem bayerischen Staatsarchiv. Nun präsentierte der Schrobenhausener das Ergebnis: ein 600 Seiten starkes Buch über Schrobenhausener Soldaten und deren Angehörige. „Besonders bedrückt haben mich die Berichte vom Stellungskrieg an der Westfront“, so Rödig. „Die Kämpfer mussten in ihren Schützengräben sitzen und warten, ob es sie trifft oder nicht.“ Auch Hunger und Leid der Schrobenhausener Bevölkerung konnte Rödig dokumentieren, zum Beispiel den so genannten Steckrübenwinter 1916/17, „als die Steckrübe nahezu das einzige Lebensmittel war, das die Leute während der britischen Blockade noch zur Verfügung hatten“.

Das Buch „Schrobenhausener im Ersten Großen Krieg“ ist für 32 Euro in der Buchhandlung an der Stadtmauer sowie bei Bernard Rödig selbst erhältlich (Tel. 08252-7945). Der Kreisheimatpfleger gibt an folgenden Terminen auch Bildvorträge mit Kurzlesungen über den Ersten Weltkrieg:

07.11.2014, 20:00 Uhr, Gaststätte Lampertshofen
19.11.2014, 19:00 Uhr, Volkshochschule Schrobenhausen

Anno Vierzehn

Viele Dokumente und Relikte hat auch der Kulturhistorische Verein Donaumoos zusammengetragen. Darunter Helme, Pickelhauben und Uniformen, die sich bei Bürgern aus dem Landkreis als Nachlass fanden. Sogar ein Waffenarsenal gibt es zu sehen. „Neben dem Rest einer Granate haben wir einen bayerischen Säbel, der bei Ausgrabungen in Verdun zum Vorschein kam“, sagt Auguste Schmid, Vorsitzende des Kulturhistorischen Vereins. Daneben gibt es viele Fotos und Postkarten. Fast vollständig erhalten ist zum Beispiel der Schriftverkehr des Karlshulder Soldaten Ludwig Erras mit seiner Frau. „Das sind wahre Liebesbriefe, denn er war erst drei Wochen verheiratet, als er in den Krieg zog“, so Schmid. Auch Anton Pichler aus Pobenhausen hinterließ zahlreiche Dokumente und Fotografien. Der Soldat kam bereits 1915 in britische Kriegsgefangenschaft. Erst vor wenigen Wochen reiste sein Enkel Hans mit Familie nach England; auf den Spuren der Kriegserinnerungen nahm die Familie auch an einer Gedenkveranstaltung teil. Die Ausstellung „Anno Vierzehn“ ist noch bis zum April 2015 im Haus im Moos in Kleinhohenried zu sehen.

Einen ausführlichen Bericht über die Auswirkungen des Krieges auf Landkreisbürger sehen Sie am 31. Oktober in unseren Sendungen Teleschau und Studio Schrobenhausener Land.